23.12.2025 | Angesichts der Freude über den Waffenstillstand, aber auch der Erkenntnis, dass ein echter Frieden noch nicht erreicht ist, rufen die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem zum Weihnachtsfest 2025 dazu auf, sich an die Botschaft der Hoffnung zu halten, die in der Geburt Jesu in Bethlehem gründet:
„Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens . . .” (Hebräer 12,1–2a)
In diesen Zeiten anhaltender Not und Unruhen in unserer Region bleiben wir, die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem, entschlossen, sowohl unseren Gemeinden als auch den Gläubigen auf der ganzen Welt die Botschaft der Hoffnung zu verkünden und zu bekräftigen, die sich vor mehr als zwei Jahrtausenden in der Menschwerdung Christi und seiner heiligen Geburt in Bethlehem offenbart hat.
Denn in ähnlich schwierigen Zeiten erschien den Hirten dieser Region plötzlich ein Engel des Herrn und ermahnte sie, ihre Ängste abzulegen. „Siehe“, sprach der Engel, „ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,10). Als sie vor der Krippe in der heiligen Höhle knieten, wurden die Hirten zum ersten Mal Zeugen von Gottes gnädigem Geschenk der Liebe. Sie sahen „Immanuel“, „Gott mit uns“ (Matthäus 1,23, Jesaja 7,14) – einen göttlichen Retter, der „sich selbst entäußerte, Knechtsgestalt annahm und den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt ward.“ (Philipper 2,7).
In seiner großen Barmherzigkeit für uns hat sich der Allmächtige herabgelassen, unser Fleisch und Blut anzunehmen, unter uns zu leben und unseren Schmerz zu fühlen; später eine Botschaft der Umkehr und der Erlösung Gottes für alle Menschen zu verkünden; den Unterdrückten und Bedrängten zu dienen, bevor er schließlich sein Leben für uns opferte, damit wir durch den Glauben an Gottes gnädige Tat der Liebe mit ihm zu einem neuen Leben auferstehen können (Römer 6,4; Eph 2,6).
Während wir uns in diesem Jahr darüber freuen, dass ein Waffenstillstand es vielen unserer Gemeinden ermöglicht hat, die Freude über Weihnachten wieder öffentlich zu feiern, beachten wir dennoch die Warnung des Propheten Jeremia vor denen, die „Friede, Friede“ rufen, „und doch nicht Friede ist“ (Jer 6,14). Denn wir sind uns voll und ganz bewusst, dass trotz der erklärten Beendigung der Kampfhandlungen weiterhin Hunderte von Menschen getötet oder schwer verletzt worden sind. Viele weitere haben gewaltsame Übergriffe gegen sich selbst, ihr Eigentum und ihre Freiheiten erlebt – nicht nur im Heiligen Land, sondern auch in den Nachbarländern.
Wir, die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem, folgen dem Beispiel unseres Herrn in seiner Menschwerdung und stehen weiterhin in Solidarität mit allen, die leiden und niedergeschlagen sind, und wir rufen Christen und andere Menschen guten Willens auf der ganzen Welt auf, beharrlich für einen wahren und gerechten Frieden im Land, in dem unser Herr geboren wurde, wie auch auf der ganzen Erde, zu beten und sich dafür einzusetzen.
Denjenigen, die mit diesen Leiden konfrontiert sind, erinnern wir an den Brief an die Hebräer, in dem beschrieben wird, wie viele Gläubige im Laufe der Jahrhunderte trotz extremer Nöte fest im Glauben standen (Hebräer 11) und wie Christus selbst die Quelle unserer Hingabe an Gott ist (Hebräer 12,1–2a, s. o.). Wir ermutigen euch daher, eure spirituelle Kraft in ihm zu suchen, während der gesamte Leib Christi sich bemüht, euer Leiden zu lindern und euch in eurer Entschlossenheit zu stärken, im Werk des Herrn auszuharren.
Mit diesen Gedanken senden wir unseren Gemeinden und den Christen auf der ganzen Welt unsere Weihnachtsgrüße und wünschen euch und euren Lieben die Freude und den Frieden, die aus der Begegnung mit der grenzenlosen Liebe Gottes entstehen, die in der Geburt unseres Herrn Jesus Christus in Bethlehem vollends offenbar geworden ist.
Die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem
Foto: Krippe und Weihnachtsbaum auf dem Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem, 2025