Natalie Abudayyeh weiterhin in Haft

14.07.2026 | Die palästinensische Christin Natalie Abudayyeh wurde am 2. Juni 2026 in Birzeit zusammen mit drei weiteren Studentinnen verhaftet. Bischof Dr. Imad Haddad (ELCJHL) äußert sich besorgt über die anhaltende Inhaftierung der ehemaligen Schülerin von Talitha Kumi und fordert ihre sofortige Freilassung.

In einer Stellungnahme vom 6. Juli 2026 schreibt Haddad:

„Liebe Freunde und Partner, unser Dank gilt jedem Einzelnen von euch, der sich seit ihrer Festnahme am 2. Juni für die Freilassung von Natalie Abudayyeh eingesetzt hat. Bedauerlicherweise befindet sich Natalie nun schon seit über einem Monat in Haft. Wir sind allen dankbar, die weiterhin für ihre Sicherheit und ihre Freiheit beten.

Gestern musste Natalie virtuell vor einem israelischen Militärgericht erscheinen. Leider lehnte der Richter den Antrag der Familie Abudayyeh ab, sie für die verbleibende Dauer des Gerichtsverfahrens gegen Kaution freizulassen. Nachdem sie in der Hoffnung zum Gericht gereist waren, mit Natalie nach Hause zurückkehren zu können, sind ihre Familienangehörigen erschöpft, frustriert und besorgt.

Natalies Familie darf sie seit ihrer Inhaftierung weder besuchen noch persönlichen Kontakt zu ihr haben. Ihr Anwalt hatte nur eingeschränkten Zugang, um per Videoanruf mit ihr zu sprechen, aber keinem Familienmitglied wurde gestattet, sie zu sehen oder mit ihr zu sprechen.

Natalie wird derzeit im Damon-Gefängnis festgehalten, wo palästinensische Frauen laut einer Erklärung der palästinensische Gefangenenorganisation „Palestinian Commission of Detainees and Ex-Detainees Affairs“ aus der vergangenen Woche sehr harten Bedingungen ausgesetzt sind und ihnen grundlegende, durch das Völkerrecht garantierte Menschenrechte vorenthalten werden. Israel verweigert ihr weiterhin den persönlichen Zugang zu ihrem Anwalt. Wir sind zutiefst besorgt um ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen. Ihr nächster Gerichtstermin ist für den 22. Juli angesetzt.

Obwohl die anderen mit ihr inhaftierten Frauen ebenfalls weiterhin im Gefängnis sind, liegen uns keine wesentlichen Informationen über ihren Status vor, da ihre Fälle nun von dem von Natalie und voneinander getrennt wurden.

Im Namen der ELCJHL schließe ich mich Natalies Familie an und fordere weiterhin ihre sofortige und bedingungslose Freilassung. In der Zwischenzeit bitten wir außerdem darum, dass jemand aus Natalies Familie oder der Kirche sie besuchen darf, um ihr die notwendige Unterstützung und Fürsorge zukommen zu lassen.

Wir rufen euch, unsere Freunde und Partner auf der ganzen Welt, dazu auf, euch weiterhin bei allen Amtsträgern in euren Netzwerken für Natalie einzusetzen und Zugang für ihre Familie und ihren Anwalt, faire und transparente Gerichtsverfahren sowie die Beendigung dieser ungerechten Inhaftierung zu fordern.

Bitte betet weiterhin und setzt euch für Gerechtigkeit ein, ganz in den Fußstapfen Christi.“

Bischof Dr. Imad Haddad

Für einen gerechten Frieden: Erfahrungen aus Palästina und Israel

EAPPI Palästina

Im Rahmen der Online-Gesprächsreihe des Berliner Missionswerks berichten Mia und Rabir am 29. Juni 2026 um 19 Uhr von ihrem Einsatz als Ökumenische Begleiter:innen in Palästina und Israel. Hier können Sie online teilnehmen >>

Von November 2025 bis Januar 2026 waren sie im Auftrag des Berliner Missionswerks für das Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) des Ökumenischer Rat der Kirchen in den South Hebron Hills tätig. Während des Online-Abends geben sie Einblicke in ihre Erfahrungen vor Ort: in die Arbeit der schützenden Präsenz und Solidarität, die Menschenrechtsbeobachtung und Berichterstattung sowie in Begegnungen mit Akteur:innen der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft. Darüber hinaus berichten sie über Möglichkeiten, sich durch Advocacyarbeit für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel zu engagieren.

Das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) unterstützt lokale und internationale Bemühungen, die israelische Besatzung zu beenden und zu einer Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts auf Grundlage eines gerechten Friedens beizutragen. Grundlage der Arbeit sind das Völkerrecht und die einschlägigen Resolutionen der Vereinten Nationen.

  • Online-Gesprächsreihe des Berliner Missionswerks
  • Für einen gerechten Frieden – Im Einsatz als Ökumenische Begleiter:innen in Palästina und Israel
  • Montag, 29. Juni 2026, 19 Uhr
  • Online via Zoom-Link

Das Online-Gespräch ist eine Veranstaltung der Gesprächsreihe „Raum geben oder klare Kante? Kirche in der Zivilgesellschaft“ des Berliner Missionswerkes. Aufzeichnungen der bisherigen Gespräche und Termine der geplanten Gespräche finden Sie hier >>

Weiterführende Informationen zum Begleitprogramm bietet das EAPPI-Netzwerk Deutschland.

Neues Siedlungsprojekt bedroht Beduinengemeinde und Integrität der Westbank

Ma’ale Adumim ist eine große Siedlung im Westjordanland. Sie liegt auf Hügeln mit mehreren Ansammlungen von Häusern mit regelmäßigem Abstand zueinander. Im Hintergrund ist eine Wüstenlandscxhaft zu sehen.

05.06.2026 | Durch den geplanten israelischen Siedlungsbau im Gebiet E1 steht die Beduinengemeinde Khan al‑Ahmar kurz vor der Räumung. Mit der Realisierung des Projekts würde der Siedlungsblock Ma’ale Adumim mit Ostjerusalem verbunden und die Westbank weiter fragmentiert werden.

Khan al‑Ahmar liegt östlich von Jerusalem in einem strategisch wichtigen Gebiet des Westjordanlands. Die Bewohner gehören zu Beduinengemeinschaften, die bereits 1948 vertrieben wurden und sich in den 1960er‑Jahren dort niederließen. Seit 1967 verweigern israelische Behörden die Anerkennung des Dorfes sowie Baugenehmigungen; sämtliche Gebäude sind mit Abrissverfügungen belegt.

Am 19. Mai 2026 ordnete Finanzminister Bezalel Smotrich, der auch für den Siedlungsbau im Westjordanland zuständig ist, die Räumung Khan al‑Ahmars an. Die israelische Menschenrechtsorganisation Peace Now warnt, dass die Zerstörung des Dorfes bereits innerhalb weniger Wochen erfolgen könnte. Frühere Abrisspläne waren mehrfach durch internationalen Druck ausgesetzt worden. Auch die Deutsche Evangelische Gemeinde an der Erlöserkirche kam mehrmals zu Solidaritätsbesuchen in das Beduinendorf.

E1-Siedlungsprojekt würde Westbank weiter fragmentieren

Die geplante Räumung steht im direkten Zusammenhang mit dem Siedlungsprojekt E1. Dort sollen 3.401 neue Wohneinheiten entstehen. Ergänzt wird das Vorhaben durch den Bau einer neuen Verkehrsachse, die palästinensischen Verkehr aus dem Gebiet herausleiten soll. Das Projekt würde das Westjordanland faktisch in einen nördlichen und einen südlichen Teil spalten und Ostjerusalem weiter von seinem palästinensischen Umland abtrennen. Es wäre ein weiteres großes Hindernis für eine Zwei‑Staaten‑Lösung.

Deutschland und andere Staaten kritisieren die Pläne zum Siedlungsbau

In einer gemeinsamen Erklärung haben Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien den geplanten Siedlungsbau und die drohenden Vertreibungen scharf kritisiert. „Das Völkerrecht ist unmissverständlich: Israelische Siedlungen im Westjordanland sind illegal“, betonen die vier Staaten. Sie fordern Israel auf, gegen die wachsende Siedlergewalt konsequent vorzugehen. 

Wachsende Siedlergewalt baut Vertreibungsdruck auf

Beduinengemeinschaften im C-Gebiet der Westbank, das vollständig von Israel verwaltet wird, gehören zu den Hauptleidtragenden der seit 2023 sprunghaft angestiegenen Siedlergewalt. Bewohnerinnen und Bewohner der Dörfer werden bedroht und angegriffen, ihr Eigentum wird zerstört, ihr Vieh gestohlen. Das israelische Militär geht selten dagegen vor, teilweise unterstützen Soldaten die Angriffe und Aktionen der gewaltbereiten Siedler. Dadurch wird im Zusammenspiel mit Abrissbescheiden, Hauszerstörungen und Räumungen durch die israelische Militärverwaltung ein großer Vertreibungsdruck gegen die Beduinengemeinschaften aufgebaut.

Quellen und Links:

Minister Smotrich Orders the Evacuation of Khan al-Ahmar as Part of Israeli Takeover of the Central West Bank and Construction in E1
Peace Now, 19.05.26
https://peacenow.org.il/en/minister-smotrich-the-evacuation-of-khan-al-ahmare1

Deutschland warnt Israel vor Siedlungsbau
Tagesschau.de, 22.05.2026
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-westjordanland-siedler-kritik-100.html

E1-Projekt im Westjordanland. Aus für die Zweistaatenlösung?
Deutschlandfunk, 02.06.2026
https://www.deutschlandfunk.de/israel-siedler-westjordanland-e1-projekt-zweistaatenloesung-100.html

Foto: Der Siedlungsblock Ma’ale Adumim soll durch das Projekt E1 erweitert werden. © Seth Aronstam/Shutterstock.com

Israelisches Militär verhaftet junge evangelische Christin in Birzeit – ehemalige Talitha-Kumi-Schülerin

Natalie Abudayyeh

02.06.2026 | Am 2. Juni 2026 wurden Natalie Abudayyeh und drei weitere junge Frauen in Birzeit vom israelischen Militär verhaftet und inhaftiert. Die 21-jährige Studentin gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und war Schülerin von Talitha Kumi. Sie ist Mitglied der Palästinensischen Fußballnationalmannschaft der Frauen.

Stellungnahme von Bischof Dr. Imad Haddad zur Verhaftung von Natalie Abudayyeh

In einer Stellungnahme schreibt Dr. Imad Haddad, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, zu dem Vorfall:

„Heute Morgen wurde Natalie Abudayyeh von israelischem Militär mit vorgehaltener Waffe aus ihrer Studentinnenwohnung in Birzeit zusammen mit drei anderen Frauen abgeführt. Die junge Frau ist ein hochgeschätztes Mitglied unserer Kirche. Wir sind zutiefst schockiert und entsetzt über diese Nachricht – und darüber, dass ihre Familie noch nicht weiß, wohin sie gebracht wurde. Natalie ist Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Reformationsgemeinde in Beit Jala und Absolventin der Schule Talitha Kumi. Sie studiert Medienwissenschaften und Journalismus an der Universität Birzeit.

Als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land fordere ich die sofortige Freilassung von Natalie auf das Entschiedenste. Die gesamte ELCJHL steht in Solidarität mit der Familie Abudayyeh sowie den Gemeinden in Beit Jala und Birzeit. Gemeinsam beten wir inständig für Natales Sicherheit und Freiheit.

Es beunruhigt uns zutiefst, dass Natalie nun zu den Tausenden Palästinensern gehört, die ohne Anklage oder Prozess in israelischer Haft sind. Palästinensische Zivilisten – darunter Frauen und Kinder – erleiden in israelischer Militärhaft schweres Unrecht und werden oft monate- oder jahrelang ohne Begründung festgehalten.

Wir rufen unsere Freunde, Partner und Schwestern und Brüder in Christus auf der ganzen Welt auf, sich für Natalies Freiheit einzusetzen – mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln – und ein Ende dieses ungerechten und ungerechten Systems der Festnahme und Inhaftierung zu fordern, das palästinensische Gemeinden lähmt und zerstört.“

Mehr als 30 Personen bei Razzia im Westjordanland verhaftet

Die Verhaftung von Natalie Abudayyeh und ihrer Mitbewohnerinnen erfolgte im Rahmen einer großangelegten Razzia, bei der insgesamt mehr als 30 Personen verhaftet wurden. Nach Angaben eines Familienangehörigen wurde die Studentin um zwei Uhr nachts verhaftet und in ein Gefängnis in Jerusalem gebracht. Sie konnte dort mit einem Anwalt sprechen. Am 14. Juni soll sie vor einem Gericht vernommen werden.

In Jerusalem verhafteten die israelischen Sicherheitsbehörden eine weitere palästinensische Fußball-Nationalspielerin, Rand Al Halawani. Der 20-jährigen wird vorgeworfen, Gegenstände auf Demontranten geworfen zu haben.

Reaktionen aus Deutschland

Die badische Landesbischöfin Heike Springhart äußerte sich besorgt über den Vorfall. „Rechtsstaatliche Prinzipien und die Menschenrechte gelten für jeden Menschen – egal, welcher Religion sie oder er angehört. Das gilt auch für die Menschen in Israel und Palästina.“ Zugleich betonte Springhart, dass Willkür und Gewalt auf allen Seiten nicht weiter eskalieren dürfen. „Maßstab allen Handelns muss sein, die Grundlagen für ein friedliches Zusammenleben in der Zukunft zu stärken. Festnahmen wie die von Natalie Abudayyeh gehören nicht dazu.“ 

Auch Bischof Dr. Christian Stäblein (EKBO) reagiert erschüttert: „Ich bin entsetzt über dieses Vorgehen des israelischen Militärs. Eine Festsetzung ohne Anklage, ohne richterlichen Beschluss und ohne geregeltes Verfahren entspricht nicht rechtsstaatlichen Verfahren und rechtsstaatlicher Ordnung. Wir sind in tiefer Sorge mit den Familien der Betroffenen und fordern Aufklärung und Freilassung.“

Für die EKD erklärte sich Auslandsbischof Frank Kopania solidarisch mit Natalie Abudayyeh, ihrer Familie und der ELCJHL. Er fordert eine rasche Klärung des Falls und schreibt: „Als Kirchen stehen wir an der Seite derer, die um ihre Freiheit, ihre Sicherheit und ihre Würde bangen. Unser Gebet gilt Natalie Abudayyeh, ihrer Familie und allen Menschen im Heiligen Land, die unter den Folgen der anhaltenden Konflikte leiden. Frieden, Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte bleiben die unverzichtbaren Grundlagen für eine gemeinsame Zukunft von Israelis und Palästinensern.

Die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordelbischen Kirche, schreibt: „Gerade junge Frauen tragen in Konflikten oft eine besondere Last. Deshalb gilt Natalie heute meine Solidarität – und mit ihr vielen jungen Frauen in Israel und Palästina, die sich nach Sicherheit, Freiheit und einer Zukunft in Frieden sehnen. Ich hoffe und bete, dass Natalie geschützt wird, dass ihre Familie Klarheit erhält und dass ihre Würde geachtet wird. Und ich halte an der Hoffnung fest, dass Menschlichkeit und Frieden stärker sind als Angst, Hass und Gewalt.“

Dr. Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, schreibt in einem offenen Brief an Bischof Haddad: „Möge Gott die jungen Frauen in dieser Gefahr behüten. Möge Gott ihnen und ihren Familien die nötige Kraft für diese furchtbare Situation geben … Als Evangelische Kirche von Westfalen verurteilen wir willkürliche Aktionen, die angesichts der angespannten Situation zur Eskalation führen. Es bedarf vielmehr von allen Seiten Gesten der Menschlichkeit und der Empathie. Deshalb erwarten wir von den israelischen Verantwortlichen die Freilassung der Verhafteten.“

Die Universität Birzeit und ihre Studierenden waren in der Vergangenheit wiederholt Ziel israelischer Militäreinsätze.

Update: 10.06.2026

Stellungnahme von Bischof Haddad (englischer Originaltext) >>

Die ELCJHL‑Diakonie hilft konkret und stiftet Gemeinschaft

Frauen und Männer beim konservieren von Gurken in einem Workshop der ELCJHL-Diakonie im Westjordanland.

19.05.2026 | Seit Jahren nehmen wirtschaftliche Not und Armut im Westjordanland zu – unter anderem durch den Einbruch des zuvor bedeutenden Tourismussektors und die eingeschränkten Möglichkeiten für Palästinenser, in Israel einer Lohnarbeit nachzugehen. Die Diakonie der Evangelisch‑Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) begegnet diesen Herausforderungen mit einem breiten Ansatz: Neben Hilfen für Lebensmittel und medizinische Versorgung gehören auch seelsorgerliche Begleitung und Gemeinschaft stiftende Angebote zur Arbeit.

Ein Kochtherapie‑Programm für Mütter

Ein Beispiel dafür ist das Kochtherapie‑Programm „Cooking to Cure“, mit dem die Diakonie Mütter bei der Bewältigung ihres belasteten Alltags unterstützt hat. In sechs Sitzungen von November bis Februar erlernten die Teilnehmerinnen neue Kochtechniken und stärkten zugleich Achtsamkeit, Kreativität und persönliche Ressourcen in einem geschützten Rahmen.

In der Zusammenarbeit mit einer Psychologin und der Diakonie‑Köchin wurde Kochen als Ausdruck von Fürsorge, Würde und Beziehung verstanden. Die Mütter erlebten Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung, was vor dem Hintergrund von Krieg und wirtschaftlicher Not gezielt Resilienz und Selbstvertrauen stärkte.

Selbstversorgung mit eigenen Obst- und Gemüsekonserven

Auch die Gehörlosengemeinschaft der ELCJHL profitiert von praxisnahen Angeboten. In Zusammenarbeit mit dem Palingual Center organisiert die Diakonie eine Workshop‑Reihe zur Lebensmittelkonservierung. Angesichts anhaltender Konflikte und regionaler Instabilität erlernt die Gruppe Techniken zur Haltbarmachung von Obst und Gemüse, um ohne Kühlung einen Vorrat an gesunden Lebensmitteln anzulegen.

Darüber hinaus setzte die ELCJHL‑Diakonie im April ihre Nothilfeprogramme fort. Familien in der Region erhielten Lebensmittelgutscheine, Unterstützung bei medizinischen Kosten sowie warme Mahlzeiten durch das laufende Programm „Hot Meals“, einen wöchentlichen mobilen Mittagstisch. Viele Haushalte stehen weiterhin vor großen Herausforderungen, da sich die wirtschaftliche Lage verschärft und die Preise für Lebensmittel, Medikamente und Transport weiter steigen.

Mit Ihrer Unterstützung kann die ELCJHL-Diakonie Notleidenden schnell und flexibel helfen.

Spendenkonto
Empfänger: Jerusalemsverein e.V.
Evangelische Bank
IBAN: DE66 5206 0410 0003 9097 60
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Familien in Not

„Hoffnung aus Jerusalem“ – In diesen Zeiten?

Auf einem Graffiti reißt ein Junge eine Mauer wie einen Vorhang auf. Dahinter werden bunte Blumen sichtbar.

30.04.2026 | „Hope from Jerusalem“ heißt eine Initiative der israelischen Menschenrechtsorganisation Ir Amim (übersetzt „Stadt der Nationen“). Sie hat 13 Prinzipien veröffentlicht, die einen Weg zu einem friedvollen Zusammenleben aller Menschen in Jerusalem aufzeigen. Eine EAPPI-Teilnehmerin verknüpft in einem Bericht die Prinzipien der Friedensinitiative mit eigenen Begegnungen und Beobachtungen.

Prinzip 1: „Unter jedweder politischen Konstellation werden beide Völker (und viele Gruppen unter ihnen) in Jerusalem Seite an Seite leben.

In der Erläuterung zu diesem Grundsatz heißt es, dass eine nachhaltige Lösung für Jerusalem die engen Verbindungen von Palästinenser:innen und Israelis zur Stadt anerkennen und allen Bewohner:innen zugesichert werden muss, dass sie sowohl ihr tägliches Leben als auch ihre öffentlichen, religiösen und politischen Aktivitäten Seite an Seite und frei von Angst in einer unabhängigen und gleichberechtigten Weise (durch)führen können.

Dass dieses erste Prinzip so formuliert wird, zeigt, dass Ungleichheit im Zusammenleben in Jerusalem existiert. Wirkliche Veränderung muss bedeuten, dass die Rechte aller Menschen in der Stadt respektiert und gewahrt werden. Das erfordert und setzt die Wahrnehmung und Wertschätzung des jeweils Anderen und den Respekt vor der Existenz und dem Wohnort des jeweils Anderen voraus.

Mir sind in Jerusalem Menschen begegnet, die anerkennen, dass die jeweils Anderen bleiben und in Zukunft nicht irgendwo anders wohnen werden. Ich habe auch Menschen gesehen, die sich von der Anwesenheit der Anderen bedroht oder eine lang angestaute Wut fühlen. Ich bin Menschen begegnet, die gerade die angebauten Teile ihres Hauses abreißen mussten, während Siedler:innen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft neue völkerrechtswidrige Siedlungsgebäude mit einer israelischen Fahne auf dem höchsten Punkt des Stadtteils positionieren konnten, um damit deutlich zu markieren: dieses Land gehört uns und nicht Euch.

Die Begegnung mit Menschen aus verschiedenen Gerechtigkeitsinitiativen in Israel und Palästina nährt meine Hoffnung, dass trotz allen Überlegenheitsattitüden, aller Zerstörung und allen Misstrauens, ein Zusammenleben dennoch möglich sein kann:

Eine Israelin und eine Palästinenserin von Combatants for Peace erzählen uns von ihren transformativen Momenten, davon, wie sie dafür offen geworden sind, die Realität der jeweils Anderen und die ungleichen und diskriminierenden Strukturen in der Gesellschaft wahrzunehmen und sich für eine gemeinsame, gleichberechtigte Zukunft einzusetzen.

Der Theologe Daniel Munayer berichtet uns von dem Ansatz „Reconciliation as Co-Resistance“ (Versöhnung als gemeinsamer, gewaltfreier Widerstand), den er mit seiner glaubensbasierten Organisation Musalaha vor dem Hintergrund und als Reaktion auf die verstörende Gewalt und Zerstörung in Gaza und der Westbank entwickelte: Ein Versöhnungsprozess zwischen ungleichen Gruppen, der darauf besteht, dass diese Ungleichheit nicht ignoriert wird, aber dennoch gemeinsam nach Wegen gesucht wird, gegen gewaltvolle Haltungen wie Antisemitismus oder Islamophobie, gegen Gewalt auf den Straßen und strukturelle Gewalt wie die der Besatzung einzustehen, Palästinenser:innen und Israelis gemeinsam. In gemeinsamen Workshops und Seminaren setzt er diesen Ansatz in Jerusalem und in Bethlehem konkret um.

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Foto: Graffiti in Silwan: Hoffnung auf ein neues Jerusalem; © WCC-EAPPI/Dorothee

Nachhaltiges Engagement: Mehr Grün in der evangelischen Schule in Ramallah

20 Schülerinnen und Schüler des Umweltclubs stehen vor dem Eingang der evangelischen Schule in Ramallah. Die meisten tragen dunkelblaue Shirts mit dem Logo der Schule. Über dem Eingang steht groß: Evangelical Lutheran School of Hope, auch in arabischen Schriftzeichen.

29.04.2026 | Anlässlich des Internationalen Tages der Erde am 22. April bepflanzten Schülerinnen und Schüler der Evangelisch‑Lutherischen Schule der Hoffnung ihr Schulgelände. Die Aktionen wurden vom Umweltclub mit 23 Teilnehmenden gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern der zehnten Klassen durchgeführt. Das Umweltzentrum der ELCJHL trat der engagierten Schülerschaft beratend und unterstützend zur Seite. Ziel war es, das Schulgelände nachhaltig zu begrünen und gleichzeitig das Umweltbewusstsein der Schulgemeinschaft zu fördern.

In einem Gewächshaus pflanzten die Schülerinnen und Schüler Setzlinge von Tomaten, Gurken, Paprika, Peperoni, Minze, Basilikum und Erdbeeren. Damit wurde der Grundstein für eine teilweise schulische Selbstversorgung gelegt wurde.

Darüber hinaus trägt die Aktion sichtbar zur Verschönerung des Schulgeländes bei. Am Eingangsbereich der Schule wurden Olivenbäume gepflanzt, die als Symbol für Beständigkeit und Verbundenheit mit der Natur stehen. Entlang der Wege sorgen verschiedene Blumen für eine freundlichere Atmosphäre und bereichern seitdem das Erscheinungsbild der Schule.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf einem zukunftsorientierten Ansatz der Landwirtschaft. Die Schülerinnen und Schüler sammelten praktische Erfahrungen mit der Hydroponik, einer modernen und wassersparenden Anbaumethode.

Sicher ist eines: Bei dem Aktionsrat wurden nicht nur Setzlinge gepflanzt, sondern auch die Liebe zur Natur in den Herzen der Schülerinnen und Schüler und nachhaltiges Handeln geübt.

Auch an den lutherischen Schulen in Beit Sahour und Bethlehem sowie an Talitha Kumi gibt es eine engagierte Umweltarbeit. So pflanzten kürzlich Schülerinnen und Schüler in Bethlehem Olivenbäume auf dem Schulgelände.

Fotos 1 bis 6: Pflanzaktion in Ramallah, Fotos 7-9: Pflanzaktion in Bethlehem