07.08.2026 | Die palästinensische Christin Natalie Abudayyeh bleibt vorerst bis zum 23. September 2026 in israelischer Haft, wie ein Militärgericht entschieden hat. Das geistliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, Erzbischöfin Sarah Mullally, stattete ihrer Familie einen Solidaritätsbesuch ab.
Natalie Abudayyeh wurde am 2. Juni 2026 in Birzeit zusammen mit drei weiteren Studentinnen verhaftet. Sie gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) und war Schülerin in Talitha Kumi (Beit Jala).
Verlängerung der Haft von Nathalie Abudayyeh bis 23. September
In einer Stellungnahme vom 22. Juli 2026 schreibt Bischof Dr. Imad Haddad (ELCJHL), dass Natalie Abudayyeh an diesem Tag vor einem israelischen Militärgericht erschienen ist. Nach dem Gerichtstermin wurde ihre Verwaltungshaft im Damon-Gefängnis in Jerusalem bis zu einer weiteren Verhandlung am 23. September verlängert. Die israelischen Behörden lehnten es ab, sie auf Kaution freizulassen. Familienangehörigen wurde der Kontakt zu der jungen lutherischen Christin verweigert. Ehemalige Häftlinge berichteten, dass in dem Gefängnis sehr schlechte Haftbedingungen herrschen und Menschenrechte verletzt werden.
Bischof Haddad schreibt: „Diese Nachrichten erfüllen uns mit unermesslicher Trauer, und wir machen uns große Sorgen um ihre Sicherheit. Inmitten dieser Trauer empfinden wir Angst und Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft all unserer Jugendlichen. Diese systematischen Angriffe Israels auf palästinensische Universitäten sind nur ein weiterer Aspekt einer Besatzung, die das Leben der Palästinenser erstickt und unsere jungen Menschen dazu treibt, darüber nachzudenken, ihre Heimat zu verlassen.“
Erzbischöfin von Canterbury besucht Nathalie Abudayyehs Familie und aus der Haft freigekommene Christin Layan Nasir
Das geistliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, Erzbischöfin Sarah Mullally, besuchte im Rahmen einer Solidaritätsreise ins Heilige Land die Familie von Natalie Abudayyeh in Beit Jala. Zuvor stattete sie der jungen anglikanischen Christin Layan Nasir und ihrer Familie einen Besuch ab. Die 26-Jährige kam Mitte Mai aus der Haft im Damon-Gefängnis frei. Wie Natalie Abudayyeh ist sie Studentin an der Universität Birzeit. Sie wurde seit 2021 dreimal für mehrere Monate inhaftiert – in Verwaltungshaft ohne offizielle Anklage. Die israelischen Behörden warfen ihr die Mitgliedschaft in einer verbotenen Studentenorganisation vor. Layan Nasir und ihre Familie haben diese Vorwürfe stets bestritten.
Zu den Haftbedingungen im Damon-Gefängnis sagte die Studentin: „Das Gefängnis ist wie ein Friedhof für die Lebenden … Die Bedingungen – die ohnehin schon schlecht sind – werden immer schlimmer … Viele Gefangene benötigen medizinische Versorgung, erhalten jedoch keinen Zugang zu grundlegenden Leistungen. Es gibt so wenig zu essen, und das, was ausgegeben wird, ist von sehr schlechter Qualität. Alle Gefangenen hoffen verzweifelt, dass die Welt davon erfährt und dass etwas unternommen wird, um die Bedingungen zu verbessern.“
Auch die Bischöfe von Chelmsford, Gloucester, Norwich, und Southwark solidarisieren sich mit Natalie und der Familie Abudayyeh. Sie verurteilten ihre Verhaftung als „Bruch der Genfer Konvention der Vereinten Nationen“. Der Bischof von Southwark brachte im House of Lords eine Regierungsanfrage über den Fall ein. Die britische Regierung betonte in ihrer Antwort: „Wir sind nach wie vor zutiefst besorgt über den anhaltenden und umfangreichen Einsatz der Verwaltungshaft durch die israelische Regierung. Wir haben unsere Bedenken gegenüber den israelischen Behörden zum Ausdruck gebracht und deutlich gemacht, dass diese im Einklang mit dem Völkerrecht handeln müssen … Das Vereinigte Königreich fordert die israelische Regierung weiterhin auf, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unverzüglichen und ungehinderten Zugang zu allen Haftanstalten zu gewähren.“
Auch US-amerikanisch-palästinensische Studentin in israelischer Verwaltungshaft
Den Fall einer der drei zusammen mit Natalie Abudayyeh in Birzeit verhafteten Studentinnen hat die Zeitung „The Guardian“ beleuchtet. Sama Safi, eine Psychologiestudentin mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft, wurde in ein Gefängnis gebracht, nachdem israelisches Militär nachts den Wohnsitz ihrer Familie stürmte. Ein Sprecher des israelischen Militärs erklärte, sie und die anderen verhafteten Studentinnen seien „wegen der Förderung feindseliger terroristischer Aktivitäten und weiterer terroristischer Handlungen“ verhaftet worden. Safis Anwältin sagte, dass zwei andere Studierende, die zuvor inhaftiert wurden, dem israelischen Militär Dutzende Namen von Personen genannt hätten, die einer Studentengruppe angehören sollen. Das Militär behaupte, die Gruppe stehe der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) nahe, die als Terrororganisation gilt.
Sama Safi leidet an einer chronischen Erkrankung , die eine regelmäßige Behandlung erfordert. Mehrere US-Abgeordnete haben ihre Freilassung gefordert.
Quellen und Links
Statement zur Verhaftung von Natalie Abudayyeh von Bischof Imad Haddad
Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL), 22.07.2026
Archbishop of Canterbury makes first pastoral visit to Holy Land since taking up office
Church Times, 26.06.2026
Layan Nasir returns home to occupied West Bank after third spell in Israeli prison
Church Times, 22.05.2026
Palestinian American woman held without charge by Israeli military
The Guardian, 13.06.2026
UK Parliament: Business Item (Natalie Abudayyeh)
UK Parliament (House of Lords), 03./17.06.2026