Israelisches Militär verhaftet junge evangelische Christin in Birzeit – ehemalige Talitha-Kumi-Schülerin

02.06.2026 | Am 2. Juni 2026 wurden Natalie Abudayyeh und drei weitere junge Frauen in Birzeit vom israelischen Militär verhaftet und inhaftiert. Die 21-jährige Studentin gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und war Schülerin von Talitha Kumi. Sie ist Mitglied der Palästinensischen Fußballnationalmannschaft der Frauen.

Stellungnahme von Bischof Dr. Imad Haddad zur Verhaftung von Natalie Abudayyeh

In einer Stellungnahme schreibt Dr. Imad Haddad, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, zu dem Vorfall:

„Heute Morgen wurde Natalie Abudayyeh von israelischem Militär mit vorgehaltener Waffe aus ihrer Studentinnenwohnung in Birzeit zusammen mit drei anderen Frauen abgeführt. Die junge Frau ist ein hochgeschätztes Mitglied unserer Kirche. Wir sind zutiefst schockiert und entsetzt über diese Nachricht – und darüber, dass ihre Familie noch nicht weiß, wohin sie gebracht wurde. Natalie ist Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Reformationsgemeinde in Beit Jala und Absolventin der Schule Talitha Kumi. Sie studiert Medienwissenschaften und Journalismus an der Universität Birzeit.

Als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land fordere ich die sofortige Freilassung von Natalie auf das Entschiedenste. Die gesamte ELCJHL steht in Solidarität mit der Familie Abudayyeh sowie den Gemeinden in Beit Jala und Birzeit. Gemeinsam beten wir inständig für Natales Sicherheit und Freiheit.

Es beunruhigt uns zutiefst, dass Natalie nun zu den Tausenden Palästinensern gehört, die ohne Anklage oder Prozess in israelischer Haft sind. Palästinensische Zivilisten – darunter Frauen und Kinder – erleiden in israelischer Militärhaft schweres Unrecht und werden oft monate- oder jahrelang ohne Begründung festgehalten.

Wir rufen unsere Freunde, Partner und Schwestern und Brüder in Christus auf der ganzen Welt auf, sich für Natalies Freiheit einzusetzen – mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln – und ein Ende dieses ungerechten und ungerechten Systems der Festnahme und Inhaftierung zu fordern, das palästinensische Gemeinden lähmt und zerstört.“

Mehr als 30 Personen bei Razzia im Westjordanland verhaftet

Die Verhaftung von Natalie Abudayyeh und ihrer Mitbewohnerinnen erfolgte im Rahmen einer großangelegten Razzia, bei der insgesamt mehr als 30 Personen verhaftet wurden. Nach Angaben eines Familienangehörigen wurde die Studentin um zwei Uhr nachts verhaftet und in ein Gefängnis in Jerusalem gebracht. Sie konnte dort mit einem Anwalt sprechen. Am 14. Juni soll sie vor einem Gericht vernommen werden.

In Jerusalem verhafteten die israelischen Sicherheitsbehörden eine weitere palästinensische Fußball-Nationalspielerin, Rand Al Halawani. Der 20-jährigen wird vorgeworfen, Gegenstände auf Demontranten geworfen zu haben.

Reaktionen aus Deutschland

Die badische Landesbischöfin Heike Springhart äußerte sich besorgt über den Vorfall. „Rechtsstaatliche Prinzipien und die Menschenrechte gelten für jeden Menschen – egal, welcher Religion sie oder er angehört. Das gilt auch für die Menschen in Israel und Palästina.“ Zugleich betonte Springhart, dass Willkür und Gewalt auf allen Seiten nicht weiter eskalieren dürfen. „Maßstab allen Handelns muss sein, die Grundlagen für ein friedliches Zusammenleben in der Zukunft zu stärken. Festnahmen wie die von Natalie Abudayyeh gehören nicht dazu.“ 

Auch Bischof Dr. Christian Stäblein (EKBO) reagiert erschüttert: „Ich bin entsetzt über dieses Vorgehen des israelischen Militärs. Eine Festsetzung ohne Anklage, ohne richterlichen Beschluss und ohne geregeltes Verfahren entspricht nicht rechtsstaatlichen Verfahren und rechtsstaatlicher Ordnung. Wir sind in tiefer Sorge mit den Familien der Betroffenen und fordern Aufklärung und Freilassung.“

Für die EKD erklärte sich Auslandsbischof Frank Kopania solidarisch mit Natalie Abudayyeh, ihrer Familie und der ELCJHL. Er fordert eine rasche Klärung des Falls und schreibt: „Als Kirchen stehen wir an der Seite derer, die um ihre Freiheit, ihre Sicherheit und ihre Würde bangen. Unser Gebet gilt Natalie Abudayyeh, ihrer Familie und allen Menschen im Heiligen Land, die unter den Folgen der anhaltenden Konflikte leiden. Frieden, Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte bleiben die unverzichtbaren Grundlagen für eine gemeinsame Zukunft von Israelis und Palästinensern.

Die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordelbischen Kirche, schreibt: „Gerade junge Frauen tragen in Konflikten oft eine besondere Last. Deshalb gilt Natalie heute meine Solidarität – und mit ihr vielen jungen Frauen in Israel und Palästina, die sich nach Sicherheit, Freiheit und einer Zukunft in Frieden sehnen. Ich hoffe und bete, dass Natalie geschützt wird, dass ihre Familie Klarheit erhält und dass ihre Würde geachtet wird. Und ich halte an der Hoffnung fest, dass Menschlichkeit und Frieden stärker sind als Angst, Hass und Gewalt.“

Dr. Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, schreibt in einem offenen Brief an Bischof Haddad: „Möge Gott die jungen Frauen in dieser Gefahr behüten. Möge Gott ihnen und ihren Familien die nötige Kraft für diese furchtbare Situation geben … Als Evangelische Kirche von Westfalen verurteilen wir willkürliche Aktionen, die angesichts der angespannten Situation zur Eskalation führen. Es bedarf vielmehr von allen Seiten Gesten der Menschlichkeit und der Empathie. Deshalb erwarten wir von den israelischen Verantwortlichen die Freilassung der Verhafteten.“

Die Universität Birzeit und ihre Studierenden waren in der Vergangenheit wiederholt Ziel israelischer Militäreinsätze.

Update: 10.06.2026

Stellungnahme von Bischof Haddad (englischer Originaltext) >>