Imad Haddad ist neuer Bischof der ELCJHL

Der neue Bischof der ELCJHL, Imad Haddad, rechts mit Bischofsstab und -kreuz. Er trägt ein weiß-rotes Ornat und eine Bischofsmütze. Links: Vorgänger Ibrahim Azar im rot-weiß-goldenen Ornat und einer rot-goldenen Mütze.

Der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), Dr. Imad Haddad, wurde am 11. Januar 2026 in der Jerusalemer Erlöserkirche in sein Amt eingeführt.

Vertreterinnen und Vertreter der ELCJHL, der lokalen Ökumene und internationale Gäste zogen nach einer feierlichen Prozession durch die Jerusalemer Altstadt, begleitet durch Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit Trommeln und Dudlesäcken, in die Kirche ein. Im Gottesdienst gab der scheidende Bischof Dr. Sani Ibrahim Azar den Bischofsstab an seinen Nachfolger weiter, begleitet von lang anhaltendem Applaus der Mitwirkenden und der Gottesdienstbesucher.

In seiner Predigt sprach Bischof Haddad über den Schmerz, den die Menschen in der gesamten Region und darüber hinaus derzeit durchleben. „Wir dürfen nicht die Augen verschließen vor der Ungerechtigkeit, unter der unser Land leidet, und wir dürfen auch nicht den Schmerz und das Leid vergessen, den und das all jene in sich tragen, die aufgrund der Grausamkeit der Menschen, aufgrund von Hass und von gegenseitiger Ablehnung gelitten haben und immer noch leiden … und trotzdem sind wir weiterhin überzeugt, dass wir gerade in dieser düsteren Zeit aufgerufen sind, in Gerechtigkeit und Heiligkeit zu leben“, betonte er.   

Gäste aus der Ökumene gratulierten Bischof Haddad

Zu den zahlreichen Gästen aus Partnerkirchen und -organisationen der ELCJHL, die Haddad zu seinem Amtsantritt gratulierten, zählten eine Delegation des Jerusalemsvereins mit dem Vorsitzenden Wolfgang Schmidt, der Direktor des Berliner Missionswerkes, Dr. Ulrich Schöntube, Generalsuperintendentin Theresa Rinecker (EKBO), Ralf Meister, leitender Bischof der VELKD, sowie Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche.

Wolfgang Schmidt betonte nach dem Gottesdienst: „Die große Zahl internationaler Gäste zeigt die hohe Bedeutung, die diese lokale Kirche im Heiligen Land für die weltweite Ökumene hat. Der neue Bischof hat angesichts der bedrückenden politischen Umstände eine große Verantwortung, bei der er auf unsere Unterstützung zählen kann.“

„Dr. Hadad war Jugendpfarrer von Sally Azar, der ersten Pfarrerin unserer Partnerkirche. Sie hat immer in den wärmsten Worten von ihm gesprochen, als sie. Ich freue mich sehr ihn jetzt auch persönlich kennen zu lernen“, sagte Dr. Schöntube, in dessen Zeit als Gemeindepfarrer in Berlin-Frohnau Sally Azar ihr Vikariat absolvierte.

Landesbischof Ralf Meister, gratulierte dem neuen Kirchenoberhaupt: „Ich wünsche Imad Haddad einen wachen Geist und ein weites Herz, um in einem schwierigen Umfeld das ‚Amt der Versöhnung‘ auszufüllen, von dem im zweiten Korintherbrief (5,18) die Rede ist. Es ist eine faszinierende und herausfordernde Aufgabe zugleich, in der Nähe der Wirkungsstätten Jesu über Landesgrenzen und Nationalitäten hinweg eine lutherische Gemeinde zusammenzuhalten.“

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, die auch Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (LWB) ist, würdigte die Größe der Aufgaben, denen sich Haddad stellt: „Ich wünsche dem neuen Bischof, dass er in unruhigen Zeiten eine Quelle der Hoffnung für alle verunsicherten und leidenden Menschen in der Region sein kann. Die ELCJHL und der LWB stehen mit ihrer diakonischen Arbeit in Jerusalem, dem Westjordanland und auch im Gaza-Streifen Seite an Seite in der Hilfe für Menschen in Not.“

Für die Gemeinschaft der lutherischen Kirchen sprach LWB-Generalsekretärin Dr. Anne Burghardt Haddad zu: „Bitte vergessen Sie vor allem eines nicht: Sie sind nicht allein. Sie sind nicht allein in Ihrem Wirken, nicht allein in Ihrem Zeugnis, Sie müssen nicht allein auf sich gestellt Hoffnung verbreiten, wenn Hoffnung vergeblich scheint.“

Bischof Azar verabschiedet

Haddad folgt im Bischofsamt auf Dr. Sani Ibrahim Azar, der die ELCJHL seit 2018 geleitet hat. Bei dessen Abschiedsgottesdienst in der Kapelle des Schulzentrums Talitha Kumi sprach Generalsuperintendentin Theresa Rinecker ein Grußwort, dass unter dem Bibelvers Jesaja 60,4 stand: „Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir“. Rinecker erinnerte an den Weitblick, mit dem Azar über viele Jahre hinweg Menschen, Gemeinden und Kirchen miteinander verbunden hat – in Jerusalem, im Heiligen Land, in Jordanien und weit darüber hinaus. Durch seinen Dienst wurde Kirche als Beziehung erlebbar: durch gelebte Partnerschaft, durch gegenseitiges Lernen und durch Vertrauen über Grenzen hinweg.

Bischof Haddad: engagiert in der Ökumene und im interreligiösen Dialog

Dr. Imad Haddad wurde von der Synode der ELCJHL am 27. Juni 2025 zum neuen Bischof der Evangelisch-lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land gewählt. Er ist in Beit Jala aufgewachsen und studierte Theologie in Beirut sowie in Columbia (USA/South Carolina). Im Jahr 2008 wurde er ordiniert und war zunächst Pfarrer in Beit Sahour und in Ramallah. 2020 wechselte er nach Amman. Im Mai 2025 erhielt Haddad die Doktorwürde vom United Lutheran Seminary in Gettysburg/Philadelphia, USA. Der interreligiöse Dialog und die ökumenische Zusammenarbeit liegen ihm besonders am Herzen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Unterstützen Sie palästinensische Christinnen und Christen im Heiligen Land

Abendmahl in der Reformationskirche Ramallah: der Pfarrer in einer weißen Albe mit einer grünen Stola hält einen Teller mit vielen Brotstücken. Er bekreuzigt einen Jungen. Daneben stehen zwei ältere Männer, und ein Mädchen im roten Shirt.

09.01.2026 | In diesen Tagen, in denen die Welt von Konflikten und Unsicherheit geprägt ist, gibt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) den evangelischen Christinnen und Christen Halt und Hoffnung. Im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und Jordanien schafft sie Gemeinschaft, wo Isolation herrscht, und setzt sich mit Wort und Tat für Frieden und Gerechtigkeit ein.

Die ELCJHL vernetzt in ihren Gemeinden alte Menschen, Frauen, Jugendliche sowie Gehörlose. Sie organisiert Ausflüge, Freizeitaktivitäten und Fortbildungen. Dadurch werden der Zusammenhalt der weit verstreuten Gemeinden gestärkt und immer wieder mutige Zeichen für Verständigung und Menschlichkeit gesetzt. In der von Arbeitslosigkeit und finanzieller Unsicherheit geprägten Situation in Palästina leistet die sehr engagierte Diakonieabteilung der Kirche unbürokratische und konkrete Hilfe für Familien und Menschen, die in Not geraten sind.

Unsere Schwestern und Brüder in Jerusalem, Bethlehem, Beit Jala, Beit Sahour, Ramallah und Amman brauchen unsere Solidarität, wie alle Menschen in der Region, in der unser Glaube seinen Ursprung hat.

Helfen Sie mit Ihrer Spende, dass die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land weiterhin Hoffnung schenken kann – durch Gemeinschaft, Unterstützung und im Sinne der biblischen Botschaft von Versöhnung.

Spendenkonto
Jerusalemsverein e.V.
Evangelische Bank
IBAN DE66 5206 0410 0003 9097 60
Kennwort: Christen im Heiligen Land

Einführung von Bischof Haddad am 11. Januar 2026

Imad Haddad liest im Gottesdienst in Ramallah aus der Bibel.

Der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), Dr. Imad Haddad, wird am 11. Januar 2026 in Jerusalem sein Amt eingeführt. Der Gottesdienst in der Erlöserkirche wird ab 14 Uhr (MEZ) live auf YouTube unter youtube.com/live/ZCSqjhNFORo übertragen.

Haddad ist in Beit Jala aufgewachsen und wurde 2008 ordiniert. Er war zunächst Pfarrer in Beit Sahour und in Ramallah. 2020 wechselte er nach Amman. Im Mai 2025 erhielt er die Doktorwürde vom United Lutheran Seminary in Gettysburg/Philadelphia, USA. Imad Haddad ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er folgt im Bischofsamt auf Dr. Sani Ibrahim Azar, der die ELCJHL seit 2018 leitet.

Bethlehem: Israelische Behörde will Fußballplatz im Flüchtlingscamp Aida abreißen

Eingang zum Aida Flüchtlingslager in Bethlehem. Auf einer Mauer steht geschrieben: Welcome to Aida Camp - 1948. Foto: Mrbrefast (CC BY-SA 3.0)

08.01.2026 | Im Dezember 2025 sperrte die israelische COGAT-Behörde den beliebten Fußballplatz des dicht besiedelten Aida-Flüchtlingscamps in Bethlehem ab und hinterließ eine Abrissverordnung.

Der Fußballplatz liegt direkt an der Mauer, die Bethlehem und Ostjerusalem trennt. Auf dem 50 mal 30 Meter großen Feld trainieren regelmäßig etwa 500 Kinder und Jugendliche. Es ermöglicht eine der sehr begrenzten Sportaktivitäten, die hier möglich sind. Die für zivile Angelegenheiten in den Palästinensischen Gebieten verantwortliche Militärbehörde COGAT behauptet, dass das Fußballfeld illegal errichtet wurde. Der ehemalige Bürgermeister von Bethlehem, Anton Salman, betont hingegen gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass die Stadt das Gelände von der Armenischen Kirche für die Nutzung durch das Aida-Flüchtlingscamp gepachtet hat. Ein Ratsmitglied des Flüchtlingslagers, in dem mehr als 7.000 Menschen auf engem Raum leben, sagt, der Fußballplatz sei der einzige Raum zum Durchatmen im Camp.

Das Aida-Camp im Norden Bethlehems gehört zu den Flüchtlingslagern, die nach dem Palästinakrieg (1947–1949) und der israelischen Staatsgründung für die etwa 750.000 vertriebenen oder geflohenen Palästinenser errichtet wurden. Diese Lager bestehen bis heute, da der Flüchtlingsstatus vererbt wird. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) betreut die Flüchtlinge in den Lagern und betreibt Schulen, Krankenhäuser sowie soziale Dienste.

Quelle:
Bethlehem camp’s ‚lifeline‘ football field faces Israeli demolition
Radio France Internationale (RFI), 19.12.2025

Foto: Eingang zum Aida-Flüchtlingscamp – Mrbrefast (CC BY-SA 3.0)

Jahresfest des Jerusalemsvereins am 15. Februar 2026 in Berlin

Ausschnitt des Gemäldes "Symbol of Hope" von Sliman Mansour: unten stehen Häser eines arabischen Dorfes, Meschen Blicken in den blaugrünen Himmel mit Sternen

Zwischen Verzweiflung und Hoffnung – Zur Situation der palästinensischen Christinnen und Christen

173. Jahresfest am Sonntag, 15. Februar 2026

11 Uhr: Festgottesdienst in der Französischen Friedrichstadtkirche, Berlin-Mitte
Predigt: Dr. Imad Haddad, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien
und im Heiligen Land (ELCJHL)

13 Uhr: Empfang im Kaiserin-Friedrich-Haus, Berlin-Mitte, anschließender Imbiss

14 bis 16.30 Uhr: Festnachmittag im Kaiserin-Friedrich-Haus, Berlin-Mitte
Vorträge und Gespräche zum Thema „Zwischen Verzweiflung und Hoffnung – Zur Situation der palästinensischen Christinnen und Christen“ mit:

  • Bischof Dr. Imad Haddad (ELCJHL)
  • Daoud Nassar (Tent of Nations)
  • Marc Frings (Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ehemaliger Leiter der Konrad Adenauer Stiftung Ramallah)
  • Birger Reese (Schulleiter Talitha Kumi)
  • Sumaya Farhat-Naser (Friedensvermittlerin), Videobeitrag
  • Rana Zeidan (Leiterin Diakonie ELCJHL), Videobeitrag

Moderation: Wolfgang Schmidt, Vorsitzender des Jerusalemsvereins
Musik: Albrecht Gündel-vom Hofe (Piano) sowie arabische Lieder aus dem Heiligen Land

Der Eintritt ist frei.
Anmeldung erbeten unter Tel. 030 24344-123 oder nahost-jv@berliner-missionswerk.de

Veranstaltungsorte:
Französische Friedrichstadtkirche, Gendarmenmarkt 5, 10117 Berlin
(Der Zugang ist barrierefrei möglich.)
Kaiserin-Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin

Verkehrsverbindungen:
Zur Französischen Friedrichstadtkirche: U2 (Stadtmitte, Hausvogteiplatz), U5 (Unter den Linden), U6 (Stadtmitte); Buslinie 100, 300 (Unter den Linden).
Zum Kaiserin-Friedrich-Haus: U-Bahnhof Naturkundemuseum und 8 Minuten Fußweg oder Bus 120, 142, 147 sowie Tram M10, M5, M8 Haltestelle »Invalidenpark«

Weihnachtsbotschaft aus Jerusalem

Krippe und Weihnachtsbaum auf dem Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem, 2025

23.12.2025 | Angesichts der Freude über den Waffenstillstand, aber auch der Erkenntnis, dass ein echter Frieden noch nicht erreicht ist, rufen die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem zum Weihnachtsfest 2025 dazu auf, sich an die Botschaft der Hoffnung zu halten, die in der Geburt Jesu in Bethlehem gründet:

„Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,  und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens . . .” (Hebräer 12,1–2a)

In diesen Zeiten anhaltender Not und Unruhen in unserer Region bleiben wir, die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem, entschlossen, sowohl unseren Gemeinden als auch den Gläubigen auf der ganzen Welt die Botschaft der Hoffnung zu verkünden und zu bekräftigen, die sich vor mehr als zwei Jahrtausenden in der Menschwerdung Christi und seiner heiligen Geburt in Bethlehem offenbart hat.

Denn in ähnlich schwierigen Zeiten erschien den Hirten dieser Region plötzlich ein Engel des Herrn und ermahnte sie, ihre Ängste abzulegen. „Siehe“, sprach der Engel, „ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,10). Als sie vor der Krippe in der heiligen Höhle knieten, wurden die Hirten zum ersten Mal Zeugen von Gottes gnädigem Geschenk der Liebe. Sie sahen „Immanuel“, „Gott mit uns“ (Matthäus 1,23, Jesaja 7,14) – einen göttlichen Retter, der „sich selbst entäußerte, Knechtsgestalt annahm und den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt ward.“ (Philipper 2,7).

In seiner großen Barmherzigkeit für uns hat sich der Allmächtige herabgelassen, unser Fleisch und Blut anzunehmen, unter uns zu leben und unseren Schmerz zu fühlen; später eine Botschaft der Umkehr und der Erlösung Gottes für alle Menschen zu verkünden; den Unterdrückten und Bedrängten zu dienen, bevor er schließlich sein Leben für uns opferte, damit wir durch den Glauben an Gottes gnädige Tat der Liebe mit ihm zu einem neuen Leben auferstehen können (Römer 6,4; Eph 2,6).

Während wir uns in diesem Jahr darüber freuen, dass ein Waffenstillstand es vielen unserer Gemeinden ermöglicht hat, die Freude über Weihnachten wieder öffentlich zu feiern, beachten wir dennoch die Warnung des Propheten Jeremia vor denen, die „Friede, Friede“ rufen, „und doch nicht Friede ist“ (Jer 6,14). Denn wir sind uns voll und ganz bewusst, dass trotz der erklärten Beendigung der Kampfhandlungen weiterhin Hunderte von Menschen getötet oder schwer verletzt worden sind. Viele weitere haben gewaltsame Übergriffe gegen sich selbst, ihr Eigentum und ihre Freiheiten erlebt – nicht nur im Heiligen Land, sondern auch in den Nachbarländern.

Wir, die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem, folgen dem Beispiel unseres Herrn in seiner Menschwerdung und stehen weiterhin in Solidarität mit allen, die leiden und niedergeschlagen sind, und wir rufen Christen und andere Menschen guten Willens auf der ganzen Welt auf, beharrlich für einen wahren und gerechten Frieden im Land, in dem unser Herr geboren wurde, wie auch auf der ganzen Erde, zu beten und sich dafür einzusetzen.

Denjenigen, die mit diesen Leiden konfrontiert sind, erinnern wir an den Brief an die Hebräer, in dem beschrieben wird, wie viele Gläubige im Laufe der Jahrhunderte trotz extremer Nöte fest im Glauben standen (Hebräer 11) und wie Christus selbst die Quelle unserer Hingabe an Gott ist (Hebräer 12,1–2a, s. o.). Wir ermutigen euch daher, eure spirituelle Kraft in ihm zu suchen, während der gesamte Leib Christi sich bemüht, euer Leiden zu lindern und euch in eurer Entschlossenheit zu stärken, im Werk des Herrn auszuharren.

Mit diesen Gedanken senden wir unseren Gemeinden und den Christen auf der ganzen Welt unsere Weihnachtsgrüße und wünschen euch und euren Lieben die Freude und den Frieden, die aus der Begegnung mit der grenzenlosen Liebe Gottes entstehen, die in der Geburt unseres Herrn Jesus Christus in Bethlehem vollends offenbar geworden ist.

Die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem

Foto: Krippe und Weihnachtsbaum auf dem Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem, 2025

Betet für den Frieden von Jerusalem!

Die Altstadt von Jerusalem in Richtung Ölberg. Im Zentrum der Kirchturm der Erlöserkirche.

Wöchentliche Friedensgebete per Zoom aus dem Heiligen Land

03.12.2025 | Die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem ist klein geworden – erst wegen der Corona-Pandemie, dann durch die zwei Jahre Krieg. Gemeinde- und Pilgergruppen bleiben aus, nur wenige einzelne Reisende kommen zu Besuch. Wer für die Botschaft oder eine deutsche NGO tätig war, wurde nach Deutschland ausgeflogen – nur wenige kamen bisher zurück. So kommen sonntags etwa 20 bis 30 Menschen zum Gottesdienst zusammen, hören und singen, hoffen und beten um Frieden.

Es gibt dazu aber quasi eine zweite evangelische Gemeinde deutscher Sprache aus Jerusalem. Am frühen Samstagabend setzten sich Menschen zu einer guten halben Stunde vor ihren Computer oder ihr Smartphone und halten Andacht. Wenige sind dabei im Heiligen Land, die meisten in Deutschland, manche ganz woanders. Alle haben einen Bezug zu Jerusalem und dem Heiligen Land: weil sie eine Zeitlang hier gelebt haben, weil sie dem Gelobten Land und den Menschen hier in Glaube, Hoffnung und Liebe verbunden sind oder weil ihnen die Nachrichten über Terror und Gewalt auf der Seele liegen und sie nicht innerlich abschalten wollen. „Betet für den Frieden von Jerusalem“, heißt es im 122. Psalm. Sie tun es.


Alle Infos zur Teilnahme an den Andachten unter: evangelisch-in-jerusalem.org


Zu Zeiten der Pandemie hatten wir solche „virtuellen Gottesdienste“ schon einmal eingeübt. Jemand aus dem Pfarrteam der Jerusalemer Gemeinde bereitet einen biblischen Impuls vor, gelegentlich übernehmen das auch andere. Da sowieso alle vor einem Bildschirm sitzen und gute Sicht haben, werden häufig Fotos von aktuellen Ereignissen eingespielt, Dokumente zu biblischen Geschichten oder Kunstwerke, die beim Nachdenken und zur Konzentration helfen.

Drei Lieder werden von allen gesungen, wegen der Zeitverzögerung mit geschlossenen Mikrofonen – nur eine oder einer singt in die Runde oder es wird ein Lied per Video eingespielt. Das Gebet Jesu wird dafür so gesprochen, dass alle auch alle hören. Das ist dann nicht synchron, wird aber stark als gemeinsames Sprechen und Rufen zum Himmel hin empfunden.

Vor dem Vaterunser gibt es Fürbitten. Bei ruhiger Hintergrundmusik ist einige Minuten Zeit, Klagen und Bitten, Lob oder Dank in kurze Sätze zu fassen und in die Chat-Funktion zu schreiben. Die anderen nehmen es mit in ihr Gebet, wenn sie wollen. Stark ist dabei, dass viele der Gebetsanliegen direkt auf den geistlichen Impuls zuvor oder auf aktuelle Nachrichten aus Gaza, Israel oder der Westbank reagieren. So entsteht ein Gebet mit vielen persönlichen Noten, das von der versammelten Gemeinde zusammengetragen wird – das ist mehr, als was uns im „normalen“ Gottesdiensten gelingt!

Das Amtskreuz des Propstes von Jerusalem: ein solides Metallkreuz, in der Mitte weist eine Gravur auf Ps. 122,6 hin.

Zum abschließenden Segen reichen wir uns gedanklich die Hände: Wenn alle ihre Hände so vor die Kamera halten, dass sie links und rechts am Bildschirmrand zu sehen sind, ergibt das in der Kombination der Kacheln auf dem Bildschirm eine Art sichtbares Segensband. Das zu sehen ruft uns in Erinnerung, dass wir nicht nur technisch miteinander verbunden sind, sondern durch Gottes guten Geist, der über alle Zeiten und Entfernungen hinweg fest verbindet, was zusammengehört. Davon lebt die Friedensandacht so wie jeder Gottesdienst.

Nach der Friedensandacht ist Gelegenheit, aus der Jerusalemer Gemeinde und vom Leben in Israel und Palästina zu berichten. Es gibt Nachfragen und Ergänzungen. Über die Monate hin lernen sich Menschen kennen, die sonst keinen Kontakt zueinander haben. Viele aus der Gemeinde haben schon für den Sozialfond der anderen Jerusalemer Gemeinde, der vor Ort, gespendet. So wird gemeinsam gebetet und gemeinsam geholfen.

Als Mitte Oktober in Gaza eine Waffenruhe in Kraft trat und dann die Waffen tatsächlich weitgehend schwiegen, gab es gleich mehrfach die Bitte: Lasst uns mit den Friedensgebeten weitermachen! Daraus spricht nicht nur das Misstrauen gegenüber brüchigen politischen Friedensplänen, sondern die positive Erfahrung, so mit dem Heiligen Land und den Menschen hier verbunden zu bleiben.

Joachim Lenz, Propst in Jerusalem

evangelisch-in-jerusalem.org