Der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), Dr. Imad Haddad, wurde am 11. Januar 2026 in der Jerusalemer Erlöserkirche in sein Amt eingeführt.
Vertreterinnen und Vertreter der ELCJHL, der lokalen Ökumene und internationale Gäste zogen nach einer feierlichen Prozession durch die Jerusalemer Altstadt, begleitet durch Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit Trommeln und Dudlesäcken, in die Kirche ein. Im Gottesdienst gab der scheidende Bischof Dr. Sani Ibrahim Azar den Bischofsstab an seinen Nachfolger weiter, begleitet von lang anhaltendem Applaus der Mitwirkenden und der Gottesdienstbesucher.
In seiner Predigt sprach Bischof Haddad über den Schmerz, den die Menschen in der gesamten Region und darüber hinaus derzeit durchleben. „Wir dürfen nicht die Augen verschließen vor der Ungerechtigkeit, unter der unser Land leidet, und wir dürfen auch nicht den Schmerz und das Leid vergessen, den und das all jene in sich tragen, die aufgrund der Grausamkeit der Menschen, aufgrund von Hass und von gegenseitiger Ablehnung gelitten haben und immer noch leiden … und trotzdem sind wir weiterhin überzeugt, dass wir gerade in dieser düsteren Zeit aufgerufen sind, in Gerechtigkeit und Heiligkeit zu leben“, betonte er.
Gäste aus der Ökumene gratulierten Bischof Haddad
Zu den zahlreichen Gästen aus Partnerkirchen und -organisationen der ELCJHL, die Haddad zu seinem Amtsantritt gratulierten, zählten eine Delegation des Jerusalemsvereins mit dem Vorsitzenden Wolfgang Schmidt, der Direktor des Berliner Missionswerkes, Dr. Ulrich Schöntube, Generalsuperintendentin Theresa Rinecker (EKBO), Ralf Meister, leitender Bischof der VELKD, sowie Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche.
Wolfgang Schmidt betonte nach dem Gottesdienst: „Die große Zahl internationaler Gäste zeigt die hohe Bedeutung, die diese lokale Kirche im Heiligen Land für die weltweite Ökumene hat. Der neue Bischof hat angesichts der bedrückenden politischen Umstände eine große Verantwortung, bei der er auf unsere Unterstützung zählen kann.“
„Dr. Hadad war Jugendpfarrer von Sally Azar, der ersten Pfarrerin unserer Partnerkirche. Sie hat immer in den wärmsten Worten von ihm gesprochen, als sie. Ich freue mich sehr ihn jetzt auch persönlich kennen zu lernen“, sagte Dr. Schöntube, in dessen Zeit als Gemeindepfarrer in Berlin-Frohnau Sally Azar ihr Vikariat absolvierte.
Landesbischof Ralf Meister, gratulierte dem neuen Kirchenoberhaupt: „Ich wünsche Imad Haddad einen wachen Geist und ein weites Herz, um in einem schwierigen Umfeld das ‚Amt der Versöhnung‘ auszufüllen, von dem im zweiten Korintherbrief (5,18) die Rede ist. Es ist eine faszinierende und herausfordernde Aufgabe zugleich, in der Nähe der Wirkungsstätten Jesu über Landesgrenzen und Nationalitäten hinweg eine lutherische Gemeinde zusammenzuhalten.“
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, die auch Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (LWB) ist, würdigte die Größe der Aufgaben, denen sich Haddad stellt: „Ich wünsche dem neuen Bischof, dass er in unruhigen Zeiten eine Quelle der Hoffnung für alle verunsicherten und leidenden Menschen in der Region sein kann. Die ELCJHL und der LWB stehen mit ihrer diakonischen Arbeit in Jerusalem, dem Westjordanland und auch im Gaza-Streifen Seite an Seite in der Hilfe für Menschen in Not.“
Für die Gemeinschaft der lutherischen Kirchen sprach LWB-Generalsekretärin Dr. Anne Burghardt Haddad zu: „Bitte vergessen Sie vor allem eines nicht: Sie sind nicht allein. Sie sind nicht allein in Ihrem Wirken, nicht allein in Ihrem Zeugnis, Sie müssen nicht allein auf sich gestellt Hoffnung verbreiten, wenn Hoffnung vergeblich scheint.“
Bischof Azar verabschiedet
Haddad folgt im Bischofsamt auf Dr. Sani Ibrahim Azar, der die ELCJHL seit 2018 geleitet hat. Bei dessen Abschiedsgottesdienst in der Kapelle des Schulzentrums Talitha Kumi sprach Generalsuperintendentin Theresa Rinecker ein Grußwort, dass unter dem Bibelvers Jesaja 60,4 stand: „Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir“. Rinecker erinnerte an den Weitblick, mit dem Azar über viele Jahre hinweg Menschen, Gemeinden und Kirchen miteinander verbunden hat – in Jerusalem, im Heiligen Land, in Jordanien und weit darüber hinaus. Durch seinen Dienst wurde Kirche als Beziehung erlebbar: durch gelebte Partnerschaft, durch gegenseitiges Lernen und durch Vertrauen über Grenzen hinweg.
Bischof Haddad: engagiert in der Ökumene und im interreligiösen Dialog
Dr. Imad Haddad wurde von der Synode der ELCJHL am 27. Juni 2025 zum neuen Bischof der Evangelisch-lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land gewählt. Er ist in Beit Jala aufgewachsen und studierte Theologie in Beirut sowie in Columbia (USA/South Carolina). Im Jahr 2008 wurde er ordiniert und war zunächst Pfarrer in Beit Sahour und in Ramallah. 2020 wechselte er nach Amman. Im Mai 2025 erhielt Haddad die Doktorwürde vom United Lutheran Seminary in Gettysburg/Philadelphia, USA. Der interreligiöse Dialog und die ökumenische Zusammenarbeit liegen ihm besonders am Herzen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.
