Olivenholzschnitzereien aus der Region Bethlehem

Ein Olivenholzschnitzer sitzt vor einer Säge und zerteilt einen Ast. Im Hintergrund ist Olivenholz aufgetürmt.

„Das Holz erzählt mir, was es werden will“

02.12.2025 | In Beit Jala nahe Bethlehem lebt ein Mann, der dem Olivenholz neues Leben einhaucht. Jevaro Kharoufeh ist Olivenholzschnitzer in zweiter Generation – ein Handwerk, das er von seinem Vater gelernt hat. „Mein Vater war einer der Ersten, die mit dem beruflichen Schnitzen von Olivenholz begonnen haben, wie wir es heute praktizieren“, erzählt er. „Ich mochte es, wie er aus einem einfachen Stück Holz etwas Wunderschönes schaffen konnte, das für immer bleibt.“ Aus dieser Faszination wurde Berufung. Der Schnitzer gründete seine eigene Werkstatt, um das kulturelle Erbe zu bewahren und der Welt zu zeigen, „wie wir unsere Liebe zum Leben in unsere Arbeit übersetzen“. Für ihn ist das Schnitzen mehr als Handwerk – es ist Kunst und Ausdruck von Heimatverbundenheit. Für die Menschen in Palästina ist der Olivenbaum ein nationales Symbol. „Manchmal erzählt dir der Ast selbst, was du daraus machen musst“, sagt er. Zwar kommen auch Maschinen zum Einsatz, doch das Herzstück bleibt die Handarbeit. „Nur so erkennt man die Schönheit jedes einzelnen Zweigs.“

Schwere Zeiten für Olivenholzschnitzer

Doch das Leben im Westjordanland ist nicht einfach – besonders seit dem Ausbleiben der Touristen. „Seit dem Krieg kommt niemand mehr. Bethlehem lebt zu hundert Prozent vom Tourismus. Wenn der ausbleibt, fehlt das Einkommen.“ Viele hätten ihre Geschäfte geschlossen und das Land verlassen. Ihm gelang es, eine Arbeitserlaubnis für Israel besorgen. Jetzt arbeitet er dort auf dem Bau, um seine Familie zu ernähren. „Meine Mutter lebt bei uns, meine Kinder gehen zur Schule und zur Universität. Ich muss durchhalten.“ Trotz allem kehrt er immer wieder in seine Werkstatt zurück. „Ich will das Olivenholzschnitzen nicht verlernen. Und vielleicht – wenn jemand unsere Kunst im Ausland vermarkten könnte, in Kirchen oder auf Basaren – dann könnten wir überleben. Und hier bleiben.“

Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus Olivenholz erwerben

Im Shop des Berliner Missionswerkes finden Sie die verschiedensten Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus Olivenholz – von der Weihnachtskrippe bis zum Kochlöffel ist für jeden etwas dabei.

Mit dem Kauf von Oivenholzprodukten aus dem Heiligen Land unterstützen Sie christlichen Familien in der Region Bethlehem.

Sie können die Produkte in der Geschäftsstelle in Berlin-Friedrichshain besichtigen und abholen. Gerne senden wir Ihnen die Produkte oder auch zu. Nehmen Sie in beiden Fällen einfach Kontakt mit uns auf.

Sie erreichen unseren Mitarbeiter Axel Seelig per Telefon unter +49 30 243 44–194 und per E-Mail unter a.seelig@bmw.ekbo.de.

Die Zahlung erfolgt per Rechnung. Die Versandkosten richten sich nach den Preisen von DHL (z. B. 5,49 € für ein kleines Paket)

Neue illegale Siedlung bedroht Beit Sahour

Blick auf das Zentrum von Beit Sahour in Richtung Jordantal (TellerOfJade/Shutterstock.com)

01.12.2025 | Am Rand der Kleinstadt Beit Sahour in der Region Bethlehem haben israelische Siedler Mitte November einen neuen Außenposten errichtet, der auch nach israelischem Recht illegal ist. Die israelische Nichtregierungsorganisation Peace Now berichtet, dass über Nacht Traktoren das Gelände planierten und anschließend mehrere Wohncontainer aufgestellt wurden. Diese Aktion ging vom Siedlungsblock Gush Etzion aus, der plant, bei Beit Sahour eine neue Siedlung namens Shdema zu errichten – auf einem Gebiet, das traditionell Osh Ghurab genannt wird. Peace Now hat eine Beschwerde bei der Polizei eingereicht und fordert eine Untersuchung der möglichen Beteiligung des Regionalrats von Gush Etzion an dem illegalen Bau.

Auf dem Gelände, das in Zone C liegt, befand sich früher eine israelische Militärbasis, die aufgegeben wurde. Vor etwa 15 Jahren gab es Pläne, dort mit amerikanischer Hilfe ein Kinderkrankenhaus für die Region Bethlehem zu errichten, doch die israelische Regierung stoppte das Projekt nach massivem Druck von Siedlern.

Bürgermeister von Beit Sahour befürchtet mehr Siedlergewalt

In einem offenen Brief reagierte Dr. Elias Iseed, Bürgermeister von Beit Sahour, bestürzt auf die Errichtung des Außenpostens:

„Diese Siedlung ist nicht einfach ein Bauprojekt – sie ist ein Akt der Enteignung. Sie entsteht direkt auf palästinensischem Land, auf Häusern und in Gärten und raubt den Boden unter den Füßen friedlicher Familien, die hier seit Generationen leben. Erstens wird sie Beit Sahour im Osten in zwei Bereiche teilen, getrennt durch illegale und gewalttätige Siedler. Zweitens wird sie vermehrte Angriffe auf die Bewohner und das Eindringen in ihre Häuser ermöglichen. Sie bringt Angst, Unruhe, Schmerz und Konflikt. Osh Ghurab war stets ein offener Raum für alle Menschen und Familien – für private und öffentliche Anlässe. Hier gibt es einen Park, einen Kinderspielplatz, ein Fußballfeld, ein Theater und eine Mehrzweckhalle. Der Bau einer illegalen israelischen Siedlung bei Osh Ghurab wird unsere gesamte Gemeinschaft zerstören – beginnend mit Vertreibung, gefolgt von ständiger Angst vor Siedlerangriffen, bis hin zur erzwungenen Migration unserer Bürger.“

Siedlung in der Nähe der biblischen Hirtenfelder geplant

Der Außenposten, aus dem die Siedlung Shdema entstehen soll, befindet sich in der Nähe der biblischen Stätte der Hirtenfelder, für die Beit Sahour bekannt ist. Der Tradition zufolge haben Engel an diesem Ort den Hirten die Geburt Christi verkündet (Lk 2, 8–14).

Settlers Established a New Outpost Today East of Bethlehem
Peace Now, 20.11.25

Aktualisiert am 10.12.2025

Foto: Blick auf das Zentrum von Beit Sahour in Richtung Jordantal (TellerOfJade/Shutterstock.com)

Offener Brief aus Anlass der Kritik an Bischof Ibrahim Azar

Bischof Azar nimmt Stellung zu Trumps Nahost-Plan

10.11.2025 | Vorstandsmitglieder und Vertrauensleute des Jerusalemsvereins haben das folgende Schreiben an die EKD mitgezeichnet und so ihre Solidarität mit unserem Vorstandsmitglied Ibrahim Azar ausgedrückt.

Den Brief haben innerhalb von 48 Stunden insgesamt 580 Menschen unterschrieben, davon 20 Prozent Pfarrerinnen und Pfarrer aus allen Landeskirchen, mehr als 30 Professorinnen und Professoren, aber auch viele haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende aus der Kirche sowie Gemeindeglieder, die seit Jahren Verbindungen zu palästinensischen Christen halten. 

Offener Brief aus Anlass der Kritik an Bischof Ibrahim Azar in Jerusalem

An die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, an die EKD-Rats-Vorsitzende, Kirsten Fehrs,
an alle Mitglieder des Präsidiums der EKD-Synode und des EKD-Rats,
an die Kirchenleitenden der evangelischen Landeskirchen in Deutschland

Mit Irritation und Sorge verfolgen wir die öffentliche Diskussion in Deutschland um die Predigt des Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL), Ibrahim Azar, in der Jerusalemer Erlöserkirche am Reformationstag. Darin war Bischof Azar auf die Situation in Palästina eingegangen und hatte an die Gottesdienstgemeinde gerichtet die Frage gestellt, vor welchen Herausforderungen eine reformatorische Kirche im Heiligen Land nach zwei Jahren Krieg in Gaza steht. Die Predigt hatte er auf Arabisch gehalten. In der auf Deutsch und Englisch gedruckt vorliegenden Fassung waren die Begriffe „Völkermord“ bzw.
„genocide“ verwendet worden.

Der Vize-Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, der zusammen mit einer Delegation des nordrhein-westfälischen Landtags den Gottesdienst besucht hatte, verließ daraufhin die Erlöserkirche. Am anschließenden Empfang der Gemeinde nahm auch die Delegation nicht mehr Teil. Die mitreisende Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder, sprach später Medien gegenüber von einem „Skandal am Reformationstag“ und entschuldigte sich stellvertretend dafür, dass Lehrer in diese Situation gekommen sei. Landtagspräsident André Kupper (CDU) kritisierte die Wortwahl als „inakzeptabel und auch nicht hinnehmbar“. Und die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte Sylvia Löhrmann (Grüne) bezeichnete es als „entsetzlich und beschämend, dass die Perspektive der Jüdinnen und Juden mit dem 7. Oktober nicht in der Predigt auch angesprochen worden ist.“ Hier zeige sich „das antisemitische Muster der Täter-Opfer-Umkehr.“

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) distanzierte sich „deutlich vom Sprachgebrauch durch Bischof Azar.“ Der von ihm verwendete Völkermord-Begriff trage zur Spaltung bei und stehe einer Verständigung und Versöhnung entgegen, heißt es von Seiten der EKD.

Bischof Azar hat inzwischen seine geplante Teilnahme an der am Sonntag, 9.11.2025 beginnenden EKD-Synode in Dresden abgesagt.

Als evangelische Christinnen und Christen in Deutschland und Menschen, die der Evangelischen Kirche nahestehen, halten wir die Vorwürfe gegenüber Bischof Azar für problematisch und nicht haltbar. Bischof Azar hatte sich in seiner Predigt besonders an seine palästinensische Gemeinde gewandt, die sich in der Tradition der Reformation sieht und ihren Glauben nicht nur im Gebet, sondern auch im Handeln lebt. Seit Jahrzehnten gilt die ELCJHL vor Ort und in der ganzen Region als verlässliche Mittlerin sowohl in der christlichen Ökumene als auch im interreligiösen Dialog. Wer sind wir als evangelische Christen in Deutschland, einem palästinensischen Bischof vorzuschreiben, wie er die Realität in seinem Land zu bezeichnen hat?! Die Frage, ob das Vorgehen Israels gegenüber den Palästinensern in Gaza als Genozid bezeichnet werden kann, wird international diskutiert. Zahlreiche namhafte Völkerrechtler und auch jüdische Experten in Israel und den USA sehen den Tatbestand erfüllt. Juristisch wird dies erst der Internationale Gerichtshof in Den Haag klären. Die Aussagen von Bischof Azar kamen jedoch aus seiner und seiner Gemeinde existenziellen Betroffenheit.

Wir kritisieren jene Kirchenleitenden in der EKD, die sich das Recht herausnehmen, den Sprachgebrauch eines palästinensischen, kirchenleitenden Christen, der direkt vom Nahostkonflikt betroffen ist, zu verurteilen. Wir weisen darauf hin, dass die Erlöserkirche, wenn auch im Besitz der Evangelischen Jerusalem-Stiftung, auch der offizielle Sitz der ELCJHL ist und dass alle Beteiligten vor Ort diese gemeinsame Nutzung des Kirchenraums trotz der unterschiedlichen Betroffenheit im Nahostkonflikt immer als Chance in der ökumenischen Verständigung gesehen haben.

Wir kritisieren all diejenigen im Raum der evangelischen Kirchen in Deutschland, die mit ihrer einseitigen Haltung im Nahostkonflikt die über Jahrzehnte gewachsenen ökumenischen Beziehungen zwischen evangelischen Christen in Deutschland und Palästina aufs Spiel setzen. Als evangelische Christen, die wir uns unserer historischen Verantwortung nach dem Holocaust bewusst sind, stehen wir hinter allen Bemühungen, an das Leid der israelischen Hamas-Opfer und ihrer Angehörigen zu erinnern. Wer dabei aber das Leid der Palästinenser relativiert oder gar ausblendet, trägt weder zum Frieden noch zur Versöhnung zwischen den beiden Völkern bei und fördert die Polarisierung in unserer Gesellschaft in Deutschland. Nach zwei Jahren des Kriegs Israels gegen die Hamas in Gaza müssen Palästinenserinnen und Palästinenser zehntausende von Toten beklagen. Nach Jahrzehnten der Besatzung werden ihnen in der Westbank durch zunehmende Siedlergewalt und konkrete Annexionspläne jegliche Zukunftsperspektiven genommen. Denn die israelische Regierung lehnt eine Zwei-Staaten-Lösung kategorisch ab. Und durch die jüngsten Beschlüsse der Knesset, die volle Souveränität des Staates Israel auf alle Siedlungen im besetzten Westjordanland zu übertragen – was einer Annexion nahekommt – scheint ein gerechter Frieden keine realistische Möglichkeit mehr zu sein.

Wir fordern die EKD-Synode auf, bei ihrer anstehenden Sitzung in Dresden dennoch Bischof Ibrahim Azar angemessen Raum und Gehör zu geben und ihn wahrzunehmen als evangelischen Theologen, palästinensischen Christen und Oberhaupt der einzig lutherischen Kirche im Heiligen Land, die sich in besonderer Weise dem gemeinsamen reformatorischen Erbe verpflichtet sieht. Die ELCJHL tritt mit allen Menschen im Nahen Osten, die auf einen gerechten Frieden hoffen, für diesen ein.

Wir wünschen uns, dass die Verantwortlichen in der EKD konsequent für einen gerechten Frieden für alle Menschen im Heiligen Land eintreten. Angesichts der besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel/Palästina begrüßen wir alle Bemühungen um den christlich-jüdischen Dialog. Dazu bedarf es aber auch gegenüber palästinensischen Christinnen und Christen eine Haltung, die wertschätzend zuhört, die den Schmerz des anderen wahrnimmt und aushält, die bei gespürter Irritation nachfragt, nicht vorschnell urteilt und schon gar nicht das Gespräch verweigert.

6. November 2025

Katja Dorothea Buck (Tübingen) ist Religionswissenschaftlerin und Politologin. Als Fachjournalistin arbeitet sie für verschiedene Publikationen zu den Themen religiöse Minderheiten, Religionsfreiheit, Ökumene und Dialog. Sie gilt international als Expertin für das Thema Christliches Leben im Nahen Osten. Sie gehört der Württembergischen Landeskirche an.

Pfr. Andreas Maurer (Winnenden) leitet ein diakonisches Unternehmen. Er studierte und arbeitete in den 1980er-Jahren zweieinhalb Jahre in Israel/Palästina, war von der EKD entsandter Pfarrer der Evangelischen Gemeinde zu Beirut/Libanon und zwölf Jahre lang Nahostreferent der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) und Geschäftsführer des Evangelischen Vereins für die Schneller-Schulen (EVS).

Neues aus den evangelischen Schulen in Palästina im Herbst 2025

Lutherrose trifft Dabke: Schüler feiern Reformationstag in Bethlehem

Anlässlich des Reformationstags versammelten sich Achtklässler der evangelisch-lutherischen Schulen von Beit Sahour, Bethlehem und Beit Jala (Talitha Kumi) zu einer großen Feier in der Dar-al-Kalima-Schule. In seiner Eröffnungsrede betonte Bischof Azar seine Verbundenheit mit den lutherischen Schulen und sprach über die Bedeutung fortwährender Erneuerung im persönlichen und kirchlichen Leben. Der Bethlehemer Schulleiter Anton Nassar, der auch ordinierter Pfarrer ist, erklärte die Symbolik der Lutherrose und zeigte, wie ihre Farben und Formen beispielsweise in den Schuluniformen aufgegriffen werden. Den Eröffnungsreden folgten Theaterstücke, Musik und Dabke-Tanzvorführungen.

Eine der Aktivitäten, zu denen die Schülerinnen und Schüler nach der Auftaktveranstaltung zusammenkamen, bestand im Basteln großer Lutherrosen. Workshops aus den Bereichen Kunst, Sport, Geschichtsforschung und Musik ergänzten das Programm. Zum Abschluss des Tages wurde der Startschuss für einen Wettbewerb gegeben, in dessen Rahmen die Schülerinnen und Schüler Reformvorschläge für ihre Schule und andere gesellschaftliche Bereiche erarbeiten sollen.

Leider konnten die Jugendlichen der Evangelisch-Lutherischen Schule der Hoffnung in Ramallah aufgrund der starken Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in der Westbank nicht an der Feier teilnehmen.


Mentorenprogramm in Ramallah: Jugendliche nehmen Kinder an die Hand

Im Rahmen ihrer Ausbildung zu Jugendmentoren führten Schülerinnen und Schüler der Schule der Hoffnung in Ramallah ein besonderes Projekt für Grundschulklassen durch. Es trug den Titel „Die Suche nach dem Schlüssel zum Schatz“. Ziel war es, die Werte des Gebens und der Zusammenarbeit zu vermitteln. Dabei lernten die Grundschulkinder, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Sie erkannten: Die Schatztruhe öffnet sich nur, wenn alle zufrieden sind – gegenseitiges Geben ist der Weg zu echter Freude.


Ein Tag voller Freude: Schulfest in Beit Sahour

Die Evangelisch-Lutherische Schule in Beit Sahour hat der gegenwärtigen düsteren Situation im Westjordanland mit einem Tag voller Lachen, Kreativität und fröhlichen Aktivitäten getrotzt. Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrkräfte trafen sich Mitte Oktober auf dem friedvollen Schulcampus, sangen und aßen miteinander und erfreuten sich an dem vielfältigen Programm. Dazu gehörte unter anderem eine Kindertheateraufführung, die nicht nur sehr lustig war, sondern auch zur Verkehrserziehung beitrug.


Polarisierung überwinden: Teilnahme an Model United Nations-Konferenz in Polen

Anfang Oktober reiste eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der evangelischen Schulen in Palästina nach Polen, um an einer internationalen Model-United-Nations-Konferenz (MUN) teilzunehmen. Das Thema der Konferenz lautete: „Die Wurzeln der Polarisierung verstehen, um Harmonie zu erreichen.“

Die Teilnehmenden übernahmen Delegiertenrollen in verschiedenen Gremien und Unterorganisationen der Vereinten Nationen, wie dem Sicherheitsrat, UNICEF oder der Generalversammlung. Sie führten Debatten und verhandelten Kompromisse aus. Für ihre Beiträge in den UNICEF-Sitzungen wurde die palästinensische Schülerin Mirna Rantisi als herausragende Rednerin ausgezeichnet.

MUN ist eine sehr beliebte außerschulische Aktivität an den Schulen in Beit Sahor, Bethlehem und Ramallah sowie in Talitha Kumi. Die wöchentlichen Treffen stärken Schlüsselkompetenzen wie Rhetorik, kritisches Denken und Führungsqualitäten. Durch die praxisnahen Erfahrungen gewinnen die Schülerinnen und Schüler zudem Einblicke in globale Themen, diplomatische Verhandlungen und Teamarbeit.


Olivenernte in Talitha Kumi

Immer im Herbst findet in Talitha Kumi die traditionelle Olivenernte statt. Die Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs (Tawjihi und DIA) packten tatkräftig mit an. Ein Teil der Gruppe fuhr zum Auguste-Viktoria-Gelände auf dem Ölberg in Jerusalem. Dort gehört Talitha Kumi ein Olivenhain. Die anderen ernteten auf dem Schulgelände und im Garten des Umweltzentrums. Leider können nur die Schüler mit einem Jerusalemer Ausweis mit zum Ölberg kommen und bei der Ernte mithelfen, da alle anderen keine Erlaubnis bekommen von der Westbank aus die Grenze nach Jerusalem zu überschreiten.

Mit viel Einsatz, Teamgeist und guter Laune sammelten die Jugendlichen und die begleitenden Lehrkräfte Kilo um Kilo frischer Oliven – und erfuhren dabei, wie wichtig diese Tradition für die Region, die Kultur und den Landschaftsschutz ist.


Für ein positives Schulklima: Neue Mediatorinnen und Mediatoren eingesetzt

Zu Beginn jedes Schuljahres führt die ELCJHL Schülerinnen und Schüler der evangelischen Schulen in Beit Sahor, Bethlehem und Ramallah als Mediatoren ein. Dabei würdigt sie den erfolgreichen Abschluss eines einjährigen Schulungsprogramms zur Mediation und Konfliktlösung.

Das Programm stärkt Frieden, emotionale Intelligenz und Führungsqualitäten. Die Teilnehmenden arbeiteten eng mit Sozialpädagoginnen und Lehrkräften zusammen und erwarben Kompetenzen wie aktives Zuhören, respektvolle Kommunikation, Problemlösung, Kooperation und Mediationsmethoden. Mithilfe von theoretischen Einheiten und praktischen Übungen wurden sie darauf vorbereitet, als „Peer Mediators“ Konflikte unter Mitschülerinnen und Mitschülern in den Pausen konstruktiv und respektvoll zu lösen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einem positiven Schulklima und übernehmen selbst eine Vorbildfunktion.

Tent of Nations: Der gewaltlose Widerstand geht weiter

07.11.2025 | Seit Jahrzehnten kämpft die Familie Nassar um ihr Land, das von völkerrechtswidrigen Siedlungen umgeben ist. Kürzlich wurde ein neuer Außenposten direkt neben ihrem Land errichtet. Eine EAPPI-Teilnehmende hat das Tent of Nations besucht.

Das Tent of Nations bedrängt wie nie zuvor

Sie nennen es Sumud, das arabische Wort für Standhaftigkeit, Durchhaltevermögen und stetige Ausdauer. Und sie sind stolz darauf. Wir besuchen in den ersten Tagen unseres Einsatzes das Tent of Nations (Zelt der Völker), ein christliches Friedenszentrum außerhalb der Stadt Bethlehem.

Das Tent of Nations liegt im sogenannte C-Gebiet, das vollständig unter israelischer Verwaltungs- und Sicherheitskontrolle steht. Daoud Nassar und seine Familie kämpfen seit Jahrzehnten vor israelischen Gerichten für ihre Eigentumsrechte, die ihnen von den israelischen Behörden und Siedlern streitig gemacht werden. Sie haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie ihr 42 ha großes Land behalten können, das seit über 100 Jahren in ihrem Besitz ist. Sie haben dafür einen offiziellen Landtitel, der ihr Eigentumsrecht dokumentiert und beweist.

Mittlerweile ist das Farmland von 5 israelischen Siedlungen umgeben, ein Siedlungsaußenposten – illegale nach internationalem und israelischem Recht – ist gerade im Bau. Dieser besteht bereits aus 15 Häusern und grenzt direkt an das Farmland der Nassars.

In der letzten Woche sind die ersten israelischen Familien in die Wohnblocks eingezogen, es wurden Kameras installiert. Damit ist die tägliche Arbeit auf den Feldern der Familie Nassar unter ständiger Kontrolle, sie fühlen sich unter permanenter Beobachtung.

Es gab bereits Vorfälle von Siedlern, die sich durch das Zerschneiden der Zäune Zutritt auf das Privatland der Nassars verschafft haben. Nicht selten kommen sie zu mehreren und sind bewaffnet; sie schikanieren und schüchtern die Menschen ein. Damit wird die Arbeit auf dem Land zunehmend erschwert und es ist umso wichtiger, internationale Präsenz von Freiwilligen vor Ort zu haben.

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Offener Brief des Jerusalemsvereins an Bundestagsabgeordnete: Christliche Existenz in Israel-Palästina bedroht

Berlin, 18. Oktober 2025

Bald keine Christen mehr im Heiligen Land?

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, sehr geehrter Herr Abgeordneter,

wir alle sind erleichtert über die guten Nachrichten aus dem Nahen Osten, dass die Waffen schweigen und dass nach über zwei Jahren alle noch lebenden Geiseln wieder in Freiheit sind. Die Überführung aller toten Geiseln erhoffen wir, sowie dass der vereinbarte Waffenstillstand in einen nachhaltigen Friedensprozess und den Wiederaufbau des Gazastreifens mündet.

Bei allen hoffnungsvollen Zeichen blicken wir – der Jerusalemsverein – auf die besondere Situation der Christinnen und Christen in dieser Region. Seit 173 Jahren pflegt der Jerusalemsverein eine enge Partnerschaft mit der Evangelischen Kirche im Heiligen Land und ist ständig in Kontakt mit den christlichen Geschwistern vor Ort. Was wir hören, macht uns sehr besorgt.

Die zunehmend unerträgliche Lebenssituation, die auf den Menschen (und damit auch den Christinnen und Christen) im Westjordanland lastet, führte insbesondere in den letzten zwei Jahren zu einer massiven Auswanderung christlicher Familien. Auch aus den Kirchen in Jerusalem hören wir aktuell von Bedrängnissen, die uns große Sorge machen.

Der Jerusalemsverein ruft alle im Bundestag vertretenen Fraktionen auf, in ihren Bemühungen um eine Regelung des Konfliktes die in ihrem Überleben gefährdete Minderheit der einheimischen Christinnen und Christen nicht zu vergessen und ihren Einfluss zu nutzen, damit auch künftig christliches Leben im Westjordanland möglich bleibt.

Die Not ist groß. Zwei Jahre hintereinander Weihnachten in Bethlehem ohne Pilger. Und auch zum Osterfest ist kaum jemand nach Jerusalem gekommen. Der Krieg im Nahen Osten hat den Tourismus zum Erliegen gebracht. Die Menschen verzweifeln an den wirtschaftlichen Folgen – und an der Sorge um Verwandte in Gaza. Fast 90 neue Checkpoints allein in der Region Bethlehem haben die Bewegungsmöglichkeiten massiv eingeschränkt. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 80%. Die Folgen sind massive psychologische Probleme, deren ganzes Ausmaß erst nach dem Krieg sichtbar werden wird.

Immer mehr Menschen sehen nur in der Auswanderung einen Ausweg. Seit dem 7. Oktober 2023 haben bereits mehrere hundert Christen ihre Heimat verlassen. Der Aderlass der Gemeinden geht an die Existenz der Gemeinden aller Konfessionen. Wir befürchten: Bald wird es keine Christen mehr im Heiligen Land geben!

Palästina, Israel, Heiliges Land: Wie auch immer das Land bezeichnet wurde oder wird: Die Bevölkerung war seit Jahrtausenden multikulturell und multireligiös. Schon in biblischen Zeiten lebten eine Vielzahl von Völkern im Land.

Religiöse und ethnische Vielfalt kennzeichnet auch die heutige Zeit. Juden, Muslime, Christen und Drusen – sie alle sind seit langem im Heiligen Land ansässig und haben das gleiche Recht, in Freiheit und Sicherheit selbstbestimmt dort zu leben.

Als Jerusalemsverein unterstützen wir von unserem Auftrag her unsere christlichen Geschwister vor Ort, aber unsere Sorge gilt allen Menschen in der Region. Wir sehen: Die bestehende Vielfalt ist gefährdet. Die ganze Region kommt nicht zur Ruhe. Die jüdisch-israelische wie die palästinensische Gesellschaft sind stark traumatisiert. An Frieden ist nicht zu denken. Umso mehr ruft der Jerusalemsverein auf, für alle Menschen in der Region zu beten und sich für einen gerechten Frieden für alle Menschen einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Oberkirchenrat Wolfgang Schmidt
(Vorsitzender des Jerusalemsvereins)