Bischof Azar – ein Mann der leisen Worte geht in den Ruhestand

Bischof Azar sitzt auf einem Sessel auf einer Bühne. Um ihn herum stehen ein gutes Dutzend Personen mittleren Alters. Einige sind als Geistliche zu erkennen.

29.01.2026 | Mit der Einführung von Bischof Haddad ist Bischof Dr. Ibrahim Azar in den Ruhestand gegangen. Er leitete die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) seit 2018. Ihn hat eine enge Verbundenheit mit Partnern in Deutschland wie dem Jerusalemsverein und dem Berliner Missionswerk geprägt. Besonders verdient gemacht hat er sich um den Aufbau der diakonischen Arbeit seiner Kirche.  

Abschiedsfeier in Talitha Kumi

Am 9. Januar 2026 hatten wir die Ehre und Freude als Delegation des Jerusalemsvereins an der Verabschiedung von Bischof Dr. Ibrahim Azar teilzunehmen. Nicht in der Erlöserkirche in Jerusalem fand das bedeutende Ereignis statt, sondern in Beit Jala, auf dem halben Weg nach Bethlehem. Der Bischof hatte Talitha Kumi als Ort für seinen Abschied gewählt. Das war kein Zufall. Im damaligen Jungen-Internat der lutherischen Kirche in Beit Jala ging Ibrahim zur Schule. Das Leben der Kaiserswerther Diakonissen, die Talitha Kumi einst als Mädchenschule gegründet haben, waren für den Lebensweg des späteren Bischofs prägend. Auch wenn Talitha an diesem Abend aus allen Nähten platzte angesichts der unzähligen Gäste, die zur Verabschiedung kamen, passte dieser Ort bestens zur Person des scheidenden Bischofs. Die Vielfalt der Kirchendelegationen aus aller Welt und die Breite, in der die lokalen Gemeinden mitgefeiert haben, zeigten die große Wertschätzung, die sich Ibrahim Azar durch seine Amtszeit hindurch erworben hat.

Für uns im Jerusalemsverein, war er stets Barhum – ein Kosename für Ibrahim. Dass wir ihn so nannten und nennen, zeigt die Vertrautheit und seine unkomplizierte, niederschwellige Art, mit der er uns begegnete. Schon in den Jahren ab 2012, als ich Propst an der Erlöserkirche war und Barhum der Jerusalemer Gemeindepfarrer, schätzte ich seine freundliche, immer hilfsbereite und geschwisterlich zugewandte Art. Er ist kein Mann der großen Worte oder der spektakulären Auftritte. Er ist ein Mann der leisen Worte, bei dem man genau hinhören muss. Seine Bescheidenheit strahlt eine große Glaubwürdigkeit aus und sein Humor hat oft genug den Ernst der Dinge heilsam aufgebrochen.

Immer die Menschen im Blick

Barhum habe ich als Seelsorger seiner Kirche erlebt. Gewiss hat angesichts der prekären Situation Palästinas mancher sich vor Ort mehr prophetisches Reden von seinem Bischof gewünscht. Er hatte immer die Menschen in den Gemeinden im Blick, wollte ihnen nahe sein und ihren Zusammenhalt stärken. Das zeigte sich auch in der Initiative des Bischofs zum Aufbau einer diakonischen Arbeit innerhalb der Kirche, die es zuvor in dieser strukturierten Weise nicht gegeben hat. Mit der Einrichtung einer Diakoniestation in Beit Jala konnte die ELCJHL gerade in den schweren Zeiten nach dem 7. Oktober 2023 viele Familien und Einzelne in ökonomischen und sozialen Notlagen unterstützen und damit den Geist Jesu in die Gesellschaft tragen. So hat die diakonische Tradition, die mit der protestantischen Mission im Heiligen Land im 19. Jahrhundert begonnen hat und in der Barhum selbst groß geworden ist, durch sein Wirken als Bischof einen Neubeginn erfahren. Dies hat die Glaubwürdigkeit der Kirche gestärkt und Menschen in Not geholfen.  

Seit er als junger Mann in München Theologie studiert hat, ist Barhum nicht nur glühender Anhänger des FC Bayern, sondern spricht auch fließend Deutsch. Er ist mit der deutschen Kultur und dem deutschen Protestantismus, der ja eng mit der Geschichte seiner Kirche verknüpft ist, bestens vertraut. Diese geschichtliche Verbindung hat uns Barhum immer wieder in Erinnerung gerufen. Mit Blick auf den Jerusalemsverein sagte er einmal: „Es gibt kein ‚Wir‘ und ‚Ihr‘. Es gibt nur ein Wir.“ Für diese Haltung danken wir Ibrahim Azar von Herzen – insbesondere heute, wo sich viele Kirchen in Deutschland scheuen, ihre Verbundenheit mit den palästinensischen Christen öffentlich zu zeigen. Wir danken ihm für diese Haltung und für sein unermüdliches Bemühen, diese Verbundenheit in der Beziehung zwischen dem Jerusalemsverein und der ELCJHL immer wieder mit Leben zu füllen. Als Jerusalemsverein stehen wir seit fast 175 Jahren an der Seite der lutherischen Christen in Palästina. So wird es auch in Zukunft bleiben.

Wolfgang Schmidt
Vorsitzender des Jerusalemsvereins

Foto: Bischof Azar bei der Abschiedsfeier in Talitha Kumi, umgeben von Mitarbeitenden der ELCJHL, © ELCJHL

Imad Haddad ist neuer Bischof der ELCJHL

Der neue Bischof der ELCJHL, Imad Haddad, rechts mit Bischofsstab und -kreuz. Er trägt ein weiß-rotes Ornat und eine Bischofsmütze. Links: Vorgänger Ibrahim Azar im rot-weiß-goldenen Ornat und einer rot-goldenen Mütze.

17.01.2026 | Der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), Dr. Imad Haddad, wurde am 11. Januar 2026 in der Jerusalemer Erlöserkirche in sein Amt eingeführt.

Vertreterinnen und Vertreter der ELCJHL, der lokalen Ökumene und internationale Gäste zogen nach einer feierlichen Prozession durch die Jerusalemer Altstadt, begleitet durch Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit Trommeln und Dudlesäcken, in die Kirche ein. Im Gottesdienst gab der scheidende Bischof Dr. Sani Ibrahim Azar den Bischofsstab an seinen Nachfolger weiter, begleitet von lang anhaltendem Applaus der Mitwirkenden und der Gottesdienstbesucher.

In seiner Predigt sprach Bischof Haddad über den Schmerz, den die Menschen in der gesamten Region und darüber hinaus derzeit durchleben. „Wir dürfen nicht die Augen verschließen vor der Ungerechtigkeit, unter der unser Land leidet, und wir dürfen auch nicht den Schmerz und das Leid vergessen, den und das all jene in sich tragen, die aufgrund der Grausamkeit der Menschen, aufgrund von Hass und von gegenseitiger Ablehnung gelitten haben und immer noch leiden … und trotzdem sind wir weiterhin überzeugt, dass wir gerade in dieser düsteren Zeit aufgerufen sind, in Gerechtigkeit und Heiligkeit zu leben“, betonte er.   

Gäste aus der Ökumene gratulierten Bischof Haddad

Zu den zahlreichen Gästen aus Partnerkirchen und -organisationen der ELCJHL, die Haddad zu seinem Amtsantritt gratulierten, zählten eine Delegation des Jerusalemsvereins mit dem Vorsitzenden Wolfgang Schmidt, der Direktor des Berliner Missionswerkes, Dr. Ulrich Schöntube, Generalsuperintendentin Theresa Rinecker (EKBO), Ralf Meister, leitender Bischof der VELKD, sowie Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche.

Wolfgang Schmidt betonte nach dem Gottesdienst: „Die große Zahl internationaler Gäste zeigt die hohe Bedeutung, die diese lokale Kirche im Heiligen Land für die weltweite Ökumene hat. Der neue Bischof hat angesichts der bedrückenden politischen Umstände eine große Verantwortung, bei der er auf unsere Unterstützung zählen kann.“

„Dr. Hadad war Jugendpfarrer von Sally Azar, der ersten Pfarrerin unserer Partnerkirche. Sie hat immer in den wärmsten Worten von ihm gesprochen, als sie. Ich freue mich sehr ihn jetzt auch persönlich kennen zu lernen“, sagte Dr. Schöntube, in dessen Zeit als Gemeindepfarrer in Berlin-Frohnau Sally Azar ihr Vikariat absolvierte.

Landesbischof Ralf Meister, gratulierte dem neuen Kirchenoberhaupt: „Ich wünsche Imad Haddad einen wachen Geist und ein weites Herz, um in einem schwierigen Umfeld das ‚Amt der Versöhnung‘ auszufüllen, von dem im zweiten Korintherbrief (5,18) die Rede ist. Es ist eine faszinierende und herausfordernde Aufgabe zugleich, in der Nähe der Wirkungsstätten Jesu über Landesgrenzen und Nationalitäten hinweg eine lutherische Gemeinde zusammenzuhalten.“

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, die auch Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (LWB) ist, würdigte die Größe der Aufgaben, denen sich Haddad stellt: „Ich wünsche dem neuen Bischof, dass er in unruhigen Zeiten eine Quelle der Hoffnung für alle verunsicherten und leidenden Menschen in der Region sein kann. Die ELCJHL und der LWB stehen mit ihrer diakonischen Arbeit in Jerusalem, dem Westjordanland und auch im Gaza-Streifen Seite an Seite in der Hilfe für Menschen in Not.“

Für die Gemeinschaft der lutherischen Kirchen sprach LWB-Generalsekretärin Dr. Anne Burghardt Haddad zu: „Bitte vergessen Sie vor allem eines nicht: Sie sind nicht allein. Sie sind nicht allein in Ihrem Wirken, nicht allein in Ihrem Zeugnis, Sie müssen nicht allein auf sich gestellt Hoffnung verbreiten, wenn Hoffnung vergeblich scheint.“

Bischof Azar verabschiedet

Haddad folgt im Bischofsamt auf Dr. Sani Ibrahim Azar, der die ELCJHL seit 2018 geleitet hat. Bei dessen Abschiedsgottesdienst in der Kapelle des Schulzentrums Talitha Kumi sprach Generalsuperintendentin Theresa Rinecker ein Grußwort, dass unter dem Bibelvers Jesaja 60,4 stand: „Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir“. Rinecker erinnerte an den Weitblick, mit dem Azar über viele Jahre hinweg Menschen, Gemeinden und Kirchen miteinander verbunden hat – in Jerusalem, im Heiligen Land, in Jordanien und weit darüber hinaus. Durch seinen Dienst wurde Kirche als Beziehung erlebbar: durch gelebte Partnerschaft, durch gegenseitiges Lernen und durch Vertrauen über Grenzen hinweg.

Bischof Haddad: engagiert in der Ökumene und im interreligiösen Dialog

Dr. Imad Haddad wurde von der Synode der ELCJHL am 27. Juni 2025 zum neuen Bischof der Evangelisch-lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land gewählt. Er ist in Beit Jala aufgewachsen und studierte Theologie in Beirut sowie in Columbia (USA/South Carolina). Im Jahr 2008 wurde er ordiniert und war zunächst Pfarrer in Beit Sahour und in Ramallah. 2020 wechselte er nach Amman. Im Mai 2025 erhielt Haddad die Doktorwürde vom United Lutheran Seminary in Gettysburg/Philadelphia, USA. Der interreligiöse Dialog und die ökumenische Zusammenarbeit liegen ihm besonders am Herzen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Bethlehem: Israelische Behörde will Fußballplatz im Flüchtlingscamp Aida abreißen

Eingang zum Aida Flüchtlingslager in Bethlehem. Auf einer Mauer steht geschrieben: Welcome to Aida Camp - 1948. Foto: Mrbrefast (CC BY-SA 3.0)

08.01.2026 | Im Dezember 2025 sperrte die israelische COGAT-Behörde den beliebten Fußballplatz des dicht besiedelten Aida-Flüchtlingscamps in Bethlehem ab und hinterließ eine Abrissverordnung.

Der Fußballplatz liegt direkt an der Mauer, die Bethlehem und Ostjerusalem trennt. Auf dem 50 mal 30 Meter großen Feld trainieren regelmäßig etwa 500 Kinder und Jugendliche. Es ermöglicht eine der sehr begrenzten Sportaktivitäten, die hier möglich sind. Die für zivile Angelegenheiten in den Palästinensischen Gebieten verantwortliche Militärbehörde COGAT behauptet, dass das Fußballfeld illegal errichtet wurde. Der ehemalige Bürgermeister von Bethlehem, Anton Salman, betont hingegen gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass die Stadt das Gelände von der Armenischen Kirche für die Nutzung durch das Aida-Flüchtlingscamp gepachtet hat. Ein Ratsmitglied des Flüchtlingslagers, in dem mehr als 7.000 Menschen auf engem Raum leben, sagt, der Fußballplatz sei der einzige Raum zum Durchatmen im Camp.

Das Aida-Camp im Norden Bethlehems gehört zu den Flüchtlingslagern, die nach dem Palästinakrieg (1947–1949) und der israelischen Staatsgründung für die etwa 750.000 vertriebenen oder geflohenen Palästinenser errichtet wurden. Diese Lager bestehen bis heute, da der Flüchtlingsstatus vererbt wird. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) betreut die Flüchtlinge in den Lagern und betreibt Schulen, Krankenhäuser sowie soziale Dienste.

Quelle:
Bethlehem camp’s ‚lifeline‘ football field faces Israeli demolition
Radio France Internationale (RFI), 19.12.2025

Foto: Eingang zum Aida-Flüchtlingscamp – Mrbrefast (CC BY-SA 3.0)

Unterstützen Sie palästinensische Christinnen und Christen im Heiligen Land

Abendmahl in der Reformationskirche Ramallah: der Pfarrer in einer weißen Albe mit einer grünen Stola hält einen Teller mit vielen Brotstücken. Er bekreuzigt einen Jungen. Daneben stehen zwei ältere Männer, und ein Mädchen im roten Shirt.

08.01.2026 | In diesen Tagen, in denen die Welt von Konflikten und Unsicherheit geprägt ist, gibt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) den evangelischen Christinnen und Christen Halt und Hoffnung. Im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und Jordanien schafft sie Gemeinschaft, wo Isolation herrscht, und setzt sich mit Wort und Tat für Frieden und Gerechtigkeit ein.

Die ELCJHL vernetzt in ihren Gemeinden alte Menschen, Frauen, Jugendliche sowie Gehörlose. Sie organisiert Ausflüge, Freizeitaktivitäten und Fortbildungen. Dadurch werden der Zusammenhalt der weit verstreuten Gemeinden gestärkt und immer wieder mutige Zeichen für Verständigung und Menschlichkeit gesetzt. In der von Arbeitslosigkeit und finanzieller Unsicherheit geprägten Situation in Palästina leistet die sehr engagierte Diakonieabteilung der Kirche unbürokratische und konkrete Hilfe für Familien und Menschen, die in Not geraten sind.

Unsere Schwestern und Brüder in Jerusalem, Bethlehem, Beit Jala, Beit Sahour, Ramallah und Amman brauchen unsere Solidarität, wie alle Menschen in der Region, in der unser Glaube seinen Ursprung hat.

Helfen Sie mit Ihrer Spende, dass die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land weiterhin Hoffnung schenken kann – durch Gemeinschaft, Unterstützung und im Sinne der biblischen Botschaft von Versöhnung.

Spendenkonto
Jerusalemsverein e.V.
Evangelische Bank
IBAN DE66 5206 0410 0003 9097 60
Kennwort: Christen im Heiligen Land

Einführung von Bischof Haddad am 11. Januar 2026

Imad Haddad liest im Gottesdienst in Ramallah aus der Bibel.

Der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL), Dr. Imad Haddad, wird am 11. Januar 2026 in Jerusalem sein Amt eingeführt. Der Gottesdienst in der Erlöserkirche wird ab 14 Uhr (MEZ) live auf YouTube unter youtube.com/live/ZCSqjhNFORo übertragen.

Haddad ist in Beit Jala aufgewachsen und wurde 2008 ordiniert. Er war zunächst Pfarrer in Beit Sahour und in Ramallah. 2020 wechselte er nach Amman. Im Mai 2025 erhielt er die Doktorwürde vom United Lutheran Seminary in Gettysburg/Philadelphia, USA. Imad Haddad ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er folgt im Bischofsamt auf Dr. Sani Ibrahim Azar, der die ELCJHL seit 2018 leitet.

Friedensandacht für die Menschen im Nahen Osten am 10. Februar in Hamburg

Im Vordergrund brennen mehrere Kerzen. Im Hintergrund stehen mehrere Menschen in einem sakralen Raum. Foto: Nils Clausen

Das Ökumenewerk der Nordkirche und die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Eidelstedt laden zu einer Friedensandacht für die Menschen im Nahen Osten ein, am Dienstag, 10. Februar um 19 Uhr in der Christuskirche in Hamburg Eidelstedt, Halstenbeker Weg 22, 22523 Hamburg.

Gebet, Klage und Hoffnung angesichts von Krieg, Leid und der Sehnsucht nach Frieden
Krieg und Gewalt im Nahen Osten haben tiefe Spuren hinterlassen. Das Leid der Menschen in Gaza und der Westbank ebenso wie die Trauer, Angst und Verunsicherung vieler Menschen in Israel bewegen bis heute viele Menschen weit über die Region hinaus.

In einer Friedensandacht wollen wir das, was Menschen belastet und sprachlos macht, vor Gott bringen: Klage und Fürbitte, Ohnmacht und Hoffnung. Wir hören auf biblische Worte, die daran erinnern, dass Frieden mehr ist als das Ende von Gewalt – eine Gabe Gottes, die Leben schützt, Würde achtet und Zukunft eröffnet.

Die Andacht wird gestaltet von Dr. Sönke Lorberg-Fehring, Beauftragter der Nordkirche für den christlich-islamischen Dialog, Tobias Pfeifer, Beauftragter der Nordkirche für den christlich-jüdischen Dialog und Referent für den Nahen Osten sowie Sybille Möller-Fiedler, stellvertretende Vorsitzende des Jerusalemsvereins und Mitglied im KGR Eidelstedt.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu einem offenen Beisammensein und Gespräch bei Brot, Öl und Zatar sowie Getränken.

Foto: Nils Clausen

Weihnachtsbotschaft aus Jerusalem

Krippe und Weihnachtsbaum auf dem Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem, 2025

23.12.2025 | Angesichts der Freude über den Waffenstillstand, aber auch der Erkenntnis, dass ein echter Frieden noch nicht erreicht ist, rufen die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem zum Weihnachtsfest 2025 dazu auf, sich an die Botschaft der Hoffnung zu halten, die in der Geburt Jesu in Bethlehem gründet:

„Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,  und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens . . .” (Hebräer 12,1–2a)

In diesen Zeiten anhaltender Not und Unruhen in unserer Region bleiben wir, die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem, entschlossen, sowohl unseren Gemeinden als auch den Gläubigen auf der ganzen Welt die Botschaft der Hoffnung zu verkünden und zu bekräftigen, die sich vor mehr als zwei Jahrtausenden in der Menschwerdung Christi und seiner heiligen Geburt in Bethlehem offenbart hat.

Denn in ähnlich schwierigen Zeiten erschien den Hirten dieser Region plötzlich ein Engel des Herrn und ermahnte sie, ihre Ängste abzulegen. „Siehe“, sprach der Engel, „ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,10). Als sie vor der Krippe in der heiligen Höhle knieten, wurden die Hirten zum ersten Mal Zeugen von Gottes gnädigem Geschenk der Liebe. Sie sahen „Immanuel“, „Gott mit uns“ (Matthäus 1,23, Jesaja 7,14) – einen göttlichen Retter, der „sich selbst entäußerte, Knechtsgestalt annahm und den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt ward.“ (Philipper 2,7).

In seiner großen Barmherzigkeit für uns hat sich der Allmächtige herabgelassen, unser Fleisch und Blut anzunehmen, unter uns zu leben und unseren Schmerz zu fühlen; später eine Botschaft der Umkehr und der Erlösung Gottes für alle Menschen zu verkünden; den Unterdrückten und Bedrängten zu dienen, bevor er schließlich sein Leben für uns opferte, damit wir durch den Glauben an Gottes gnädige Tat der Liebe mit ihm zu einem neuen Leben auferstehen können (Römer 6,4; Eph 2,6).

Während wir uns in diesem Jahr darüber freuen, dass ein Waffenstillstand es vielen unserer Gemeinden ermöglicht hat, die Freude über Weihnachten wieder öffentlich zu feiern, beachten wir dennoch die Warnung des Propheten Jeremia vor denen, die „Friede, Friede“ rufen, „und doch nicht Friede ist“ (Jer 6,14). Denn wir sind uns voll und ganz bewusst, dass trotz der erklärten Beendigung der Kampfhandlungen weiterhin Hunderte von Menschen getötet oder schwer verletzt worden sind. Viele weitere haben gewaltsame Übergriffe gegen sich selbst, ihr Eigentum und ihre Freiheiten erlebt – nicht nur im Heiligen Land, sondern auch in den Nachbarländern.

Wir, die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem, folgen dem Beispiel unseres Herrn in seiner Menschwerdung und stehen weiterhin in Solidarität mit allen, die leiden und niedergeschlagen sind, und wir rufen Christen und andere Menschen guten Willens auf der ganzen Welt auf, beharrlich für einen wahren und gerechten Frieden im Land, in dem unser Herr geboren wurde, wie auch auf der ganzen Erde, zu beten und sich dafür einzusetzen.

Denjenigen, die mit diesen Leiden konfrontiert sind, erinnern wir an den Brief an die Hebräer, in dem beschrieben wird, wie viele Gläubige im Laufe der Jahrhunderte trotz extremer Nöte fest im Glauben standen (Hebräer 11) und wie Christus selbst die Quelle unserer Hingabe an Gott ist (Hebräer 12,1–2a, s. o.). Wir ermutigen euch daher, eure spirituelle Kraft in ihm zu suchen, während der gesamte Leib Christi sich bemüht, euer Leiden zu lindern und euch in eurer Entschlossenheit zu stärken, im Werk des Herrn auszuharren.

Mit diesen Gedanken senden wir unseren Gemeinden und den Christen auf der ganzen Welt unsere Weihnachtsgrüße und wünschen euch und euren Lieben die Freude und den Frieden, die aus der Begegnung mit der grenzenlosen Liebe Gottes entstehen, die in der Geburt unseres Herrn Jesus Christus in Bethlehem vollends offenbar geworden ist.

Die Patriarchen und Kirchenoberhäupter in Jerusalem

Foto: Krippe und Weihnachtsbaum auf dem Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem, 2025