04.08.2026 | Nach Lobbyarbeit eines rechtsnationalen Aktivisten musste die Menschenrechtsorganisation Rabbis for Human Rights ihr Büro in einer Jerusalemer Synagoge verlassen.
Menschenrechtsorganisationen in Israel sehen sich zunehmend mit Anfeindungen konfrontiert. Rechte Lobbyorganisationen wie NGO Monitor werfen ihnen die Dämonisierung Israels vor. Neue Gesetze und Maßnahmen der Regierung unter Ministerpräsident Netanjahu richten sich gezielt gegen NGOs und Hilfsorganisationen, schränken ihre Finanzierung ein und behindern ihre Arbeit.
Jüngstes Opfer der rechtsnationalen Drohkulisse ist die 1988 gegründete Menschenrechtsorganisation Rabbis for Human Rights (RHR), die sich für die Rechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen in Israel sowie für die Rechte der Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland einsetzt. RHR musste ihren Sitz im Synagogenzentrum Mevakshei Derech verlassen. Der Kündigung des Mietvertrags ging eine intensive Lobbyarbeit des rechten Aktivisten Shai Glick bei der Jerusalemer Stadtverwaltung voraus. Sie bewegte den stellvertretenden Bürgermeister dazu, Druck auf die Synagogengemeinde auszuüben, die ihr Zentrum auf einem stadteigenen Gelände gebaut hat. Shai Glick, den die „Haaretz“ als „Israels Chefzensor“ bezeichnete, denunziert seit Jahren vermeintlich linke Kultureinrichtungen und NGOs.
Anfang August 2026 konnten die RHR ihr neues Büro beim YMCA Jerusalem beziehen. Der Umzug und die höhere Miete stellen aber eine starke finanzielle Belastung für die Organisation dar.

RHR-Mitarbeiter Anton Goodman beschreibt die Repressionen gegen seine Organisation und betont, dass sich die RHR davon nicht einschüchtern lassen:
„[…] ein Knesset-Abgeordneter (Likud) reichte eine Beschwerde ein, die eine Untersuchung durch die Steuerbehörde auslöste, die uns genau unter die Lupe nahm und uns vollständig entlastete. Das Militär schränkte unsere Präsenz im Westjordanland so beharrlich ein, dass wir beim Obersten Gerichtshof Klage einreichten, der entschied, dass diese Anordnungen missbräuchlich angewendet wurden […] unsere Mitarbeitenden werden überwacht und bedroht […] Jede Beschwerde, jedes Verbot, jede Räumungsanordnung ist ein Eingeständnis, dass unsere Anwesenheit verändert, was die Machthaber glauben, unbemerkt tun zu können. Sie würden nicht so viel Aufwand für eine Organisation betreiben, die scheitert. Wir ziehen uns nicht zurück. Wir handeln.“
This is Israel in 2026: a human rights organization evicted from a synagogue
Facebook-Seite der Rabbis for Human Rights, 04.08.2026
Rabbis for Human Rights under Assault in Israel
Jewish Voice for Liberation, 15.07.2026
Israel’s ‚Censor in Chief‘: The Activist Who Manages to Silence the Left
Haaretz, 13.01.2020