Bischof Haddad verurteilt israelisches Gesetz zur Todesstrafe

Bischof Dr. Imad haddad (ELCJHL)

02.04.2026 | Ende März 2026 hat das israelische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das die Todesstrafe für Palästinenser in den palästinensischen Gebietes vorsieht, die einen Mord aus terroristischen Motiven begehen. Bischof Dr. Imad Haddad (ELCJHL) hat das Gesetz scharf kritisiert.

Haddad schreibt in einem offenen Brief an die weltweiten Partner der ELCJHL:

Am Montag, dem 30. März, verabschiedete Israels Knesset ein Gesetz, das die Todesstrafe für palästinensische Häftlinge vorsieht. Dieses diskriminierende Gesetz ist so formuliert, dass es ausschließlich auf Palästinenser angewandt wird – und zwar nach Ermessen israelischer Militärgerichte. Die Militärgerichte, die für die Durchsetzung dieses Gesetzes zuständig sind und in denen nur Palästinenser angeklagt werden, sind bekannt dafür, grundlegende Rechtsstaatlichkeit zu missachten. Sie weisen eine Verurteilungsrate von etwa 96 Prozent auf, die auf Geständnissen beruht, die unter Zwang und Folter erpresst wurden – ein Vorgehen, das von vielen Menschenrechtsorganisationen scharf verurteilt wird. Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte erklärt, dass die Anwendung dieses Gesetzes ein Kriegsverbrechen darstellen würde.

Während wir uns darauf vorbereiten, Ostern zu feiern – das Wunder des leeren Grabes –, bereitet unser Volk Gräber für diejenigen vor, die von diesem unmenschlichen Beschluss betroffen sein werden. Als Christen lehnen wir die Ideologie von „Auge um Auge“ ab. Als Palästinenser, die die entwürdigenden Bedingungen in israelischen Gefängnissen und die ungerechten Mechanismen der Militärgerichte kennen, fürchten wir um die vielen Unschuldigen, die unweigerlich aufgrund dieser Anordnung hingerichtet werden.

In unserem Glauben an die Heiligkeit und Würde jedes menschlichen Lebens stellen wir uns entschlossen gegen jede Form von Tötung – auch durch den Staat. Während diejenigen, die dieses Gesetz entworfen und verabschiedet haben, in den Korridoren der Macht mit Sekt auf den Tod anstoßen, verkünden wir vom Fuße des Kreuzes aus ein Evangelium des Lebens.

Jetzt ist der Moment, in dem wir Sie, unsere Partner, dringend bitten, mutig Stellung zu beziehen: Schreiben Sie, setzen Sie sich öffentlich ein und verurteilen Sie dieses Unrecht. Lassen Sie nicht zu, dass der Tod das letzte Wort hat. Stehen Sie fest zu unserem gemeinsamen Bekenntnis zu einem Leben in Fülle – für alle.

Bischof Dr. Imad Hadad

Englischsprachige Stellungnahme von Bischof Haddad >>

Osterfest in Jerusalem mit starken Einschränkungen

Blick auf die Dächer der Altstadt Jerusalems mit den Kuppeln der Grabeskirche.

02.04.2026 | Aus Sicherheitsgründen können nur wenige Gläubige an den Ostergottesdiensten in Jerusalem teilnehmen. Am Palmsonntag löste die israelische Polizei einen Eklat aus, als sie zwei hochrangigen Kirchenvertretern den Zutritt zur Grabeskirche verweigerte.

Auf einer Pressekonferenz in der Karwoche erläuterten der Lateinische Patriarch, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, und der Kustos des Heiligen Landes, Pater Francesco Ielpo, die von den israelischen Behörden auferlegten Sicherheitsbestimmungen für das Osterfest in Jerusalem.

Zuvor, am Palmsonntag, hatte die israelische Polizei beiden Kirchenführern den Zugang zur Grabeskirche verweigert – ein Vorfall, der auf höchster diplomatischer Ebene für starke Verstimmung sorgte. Die Polizei rechtfertigte ihr Vorgehen zunächst mit Sicherheitsrisiken angesichts des anhaltenden Iran-Kriegs. Nach scharfer Kritik griff Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein und stellte klar, dass die Geistlichen uneingeschränkten Zutritt zur Grabeskirche erhalten sollten. Bei einem Gespräch im Vatikan glätteten der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und der Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Richard Gallagher, gemeinsam mit Israels Botschafter Yaron Sideman die Wogen. Anschließend besprachen Kirchenführer in Jerusalem mit den israelischen Behörden die Sicherheitsmaßnahmen für das Osterfest.

Zu den Osterfeierlichkeiten werden in der Grabeskirche nur die dort ansässigen Geistlichen und sehr wenige Besucher zugelassen. Die Gläubigen können die Gottesdienste per Livestream verfolgen. Für alle anderen Kirchen gelten flexiblere Bestimmungen. Kardinal Pizzaballa betonte auf der Pressekonferenz, es liege im Ermessen der Pfarrer, „vor Ort das Mögliche zu tun, um den Gläubigen die Teilnahme an den Osterriten zu ermöglichen“. Gleichzeitig erinnerte er an die historische Verantwortung Israels für den Schutz der Heiligen Stätten und forderte einen „kontinuierlichen Dialog“, um die Religionsfreiheit aller Glaubensgemeinschaften zu wahren.

Quellen

Eklat um Grabeskirche in Israel
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/pizzaballa-jerusalem-grabeskirche-100.html
tagesschau.de, 30.03.2026

Pizzaballa informiert über Osterfeiern mit Einschränkungen
https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2026-04/pizzaballa-informiert-uber-osterfeiern-mit-einschrankungen.html
Vatican News, 01.04.2026

Foto: Blick auf die Dächer der Altstadt Jerusalems mit den Kuppeln der Grabeskirche. © Wolf Eckhard Miethke

Gaza: Angriff aufs Gesundheitswesen

In einem vollkommen zerstörten Raum des Nasser Krankenhauses in Khan Younis liegen Trümmer auf der Erde, Leitungen hängen von der Decke herab. Durch eine Fensternische strahlt Licht in den Raum, der von drei Männern im Hintergrund inspiziert würde. Einer trägt eine blaue Weste mit der Aufschrift "Press". Bei einem israelischen Luftangriff im März 2025 wurde die Chirurgieabteilung des Krankenhauses stark beschädigt.

26.03.2026 | Die Realität in Israel und Palästina ist seit dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 von einer Kette unsagbarer Gewalt geprägt, die auch zur weitgehenden Zerstörung des Gesundheitssystems in Gaza geführt hat. Ein erschreckender Aspekt dieses Krieges sind die zahlreichen Inhaftierungen von Gesundheitsfachkräften und deren Behandlung in israelischen Gefängnissen.

Nach 665 Tagen Haft in israelischen Gefängnissen kam Dr. Ahmed Muhanna frei und kehrte in den Gazastreifen zurück. Ihn empfing ein Bild der Verwüstung, auch im al-Adwa-Krankenhaus, in dem er als Anästhesist und Notfallmediziner arbeitet. Es wurde im Laufe des Gaza-Krieges vom israelischen Militär belagert, gestürmt und beschossen. Am 21. November 2023 wurden bei einem Angriff mehrere Menschen getötet, darunter zwei Mediziner, die zu »Ärzte ohne Grenzen« gehörten. Im Dezember 2025 musste es die medizinische Versorgung wegen fehlender Stromversorgung vorübergehend einstellen. Funktionierende Geräte und Medikamente gab es ohnehin kaum. Dr. Muhanna erfuhr, dass 75 seiner Mitarbeitenden im Krieg getötet wurden. »Ich empfindet so viel Schmerz und Trauer angesichts dessen, was wir durchmachen«, sagte Muhanna gegenüber The Guardian.

Der renommierte Krankenhausarzt blickt selbst auf einen fast zweijährigen Leidensweg zurück. In israelischen Einrichtungen wie dem Gefangenenlager Sde Teiman wurde er misshandelt, gedemütigt und ausgehungert. Einmal wurde er so hart zusammengeschlagen, dass er sich eine Rippe brach. In solchen Fällen gab es keine medizinische Versorgung. Bis heute weiß Dr. Muhanna nicht, welche Vergehen ihm vorgeworfen wurden.

Zerstörung von Krankenhäusern

Sein Schicksal und das seines Krankenhauses sind im Gaza-Krieg keineswegs Einzelfälle. Nach UN-Angaben wurden 94 % der Krankenhäuser beschädigt oder zerstört. Es kam zu Zwangsräumungen, die auch Schwerstverletzte und -kranke einschlossen. Krankenhäuser wurden bombardiert, vom Boden aus sowie durch Scharfschützen beschossen. Medizinische Geräte wurden zerstört – Ende 2025 gab es keinen funktionierenden Kernspintomographen und nur ein CT-Gerät in Gaza. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden insgesamt mehr als 1.700 medizinische Fachkräfte im Krieg getötet.

Tötung von medizinischem Personal in Gaza

Der Direktor des Indonesischen Krankenhauses, Dr. Marwan Sultan, wurde am 3. Juli 2025 bei einem israelischen Luftangriff auf sein Wohnhaus in Gaza-Stadt getötet, zusammen mit mehreren Familienmitgliedern. Das israelische Militär behauptete, ein »Hamas-Terrorist« sei das Ziel gewesen, doch Augenzeugen berichten, dass nur Sultans Zimmer direkt getroffen wurde.

Bei einem anderen Vorfall am 23. März 2025 töteten israelische Soldaten 15 palästinensische Rettungskräfte in Rafah und begruben sie in einem Massengrab. Die Rettungsfahrzeugen waren in einem Konvoi unterwegs, um Verletzte nach einem Angriff zu bergen, als sie umstellt und beschossen wurden. Das Militär behauptete, es habe verdächtige Fahrzeuge angegriffen und dabei angeblich Hamas-Kämpfer getötet – doch unter den Opfern waren ausschließlich Sanitäter. Eine bei den Toten entdeckte Videoaufzeichnung zeigte, dass Rettungsfahrzeuge und -kräfte eindeutig als solche erkennbar waren und mit Blaulicht fuhren. Nach internen Untersuchungen der israelischen Streitkräfte wurde eingeräumt, dass es zu Fehlern der beteiligten Militärs kam.

Inhaftierung von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften: Berichte über Misshandlungen und Folter

Mehr als 300 medizinische Fachkräfte aus Gaza wurden während des Krieges inhaftiert. 24 von ihnen haben Anwälte der israelischen NGO Physicians for Human Rights Israel in Haftanstalten besucht und interviewt. Die meisten wurden in ihren Krankenhäusern festgenommen und unter Schlägen und Demütigungen in ein Gefängnis gebracht. Dort mussten sie über lange Zeiträume mit verbundenen Augen, gefesselt und kniend in ihren Zellen ausharren. Misshandlungen und Folter, beispielsweise mit Elektroschocks, gehörten zum Alltag. Es kam auch zu sexueller Gewalt.

Dr. N.T. (die Namen werden in dem Bericht nicht vollständig genannt), Chefchirurg im Nasser-Krankenhaus, sagte im Interview: »In jeder Phase unserer Haft erlitten wir Schläge, auch mit Schlagstöcken, Hunde wurden auf uns gehetzt; kochendes Wasser wurde über uns gegossen.« Es gab auch Todesfälle in Haft: beispielsweise starben zwei angesehene Ärzte – Dr. Iyad al-Rantisi, Oberarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Kamal-Adwan-Krankenhaus, und Dr. Adnan al-Bursh, Leiter der orthopädischen Abteilung im al-Shifa-Krankenhaus.

Einigen der Interviewten wurden Rippen gebrochen. Verletzungen, chronische Krankheiten und gesundheitliche Probleme aufgrund der miserablen hygienischen Bedingungen – viele Häftlinge leiden unter schweren Formen von Krätze – wurden gar nicht oder unzureichend behandelt. Die Nahrungsmittelrationen waren einseitig und klein. Einige berichteten, dass die Gewalt zunahm, als die israelischen Soldaten herausfanden, dass ein Gefangener ein Arzt war.

Die Verhöre des gefangenen medizinischen Personals konzentrierten sich auf Informationen zu den Umständen in Gaza – Hamas-Strukturen, Tunnelsysteme, israelische Geiseln, Krankenhausgebäude – nicht auf etwaige persönliche Vergehen der Inhaftierten. Der Rettungssanitäter K.N. beschrieb seine Verhöre: » Eine Woche lang wurde ich im ‚Disco-Raum‘ verhört, wo die Musik immer ohrenbetäubend laut war. Bei einer Sitzung verprügelten sie mich so schwer, dass mir eine Zahnfüllung herausfiel. Sie verprügelten mich fast zu Tode. Sie drohten, meiner Familie und meinen Eltern etwas anzutun.«

Die Aussagen in diesen Interviews decken sich mit Zeugnissen von Häftlingen gegenüber der Presse, wie The Guardian, oder Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International. Auch israelische Whistleblower – Soldaten oder Ärzte, die in den Gefängnissen arbeiteten – berichteten über die schweren Misshandlungen von Häftlingen. Yoel Donchin, ein Arzt, der Häftlinge aus dem Gefangenenlager Sde Teiman behandelte, berichtete gegenüber dem israelischen Sender KAN von Verletzungen, die auf Misshandlungen zurückzuführen seien.

Israel behauptet, Krankenhäuser sind Stützpunkte der Hamas

Israel begründet die Angriffe auf Krankenhäuser und die Verhaftung des Personals mit der Behauptung, Krankenhäuser seien Hamas-Kommandostellen. Hierfür wurden nur sehr rudimentäre und nicht unabhängig geprüfte Beweise vorgelegt, wie der Fund einzelner Waffen. Völkerrechtlich können Krankenhäuser ihren Schutzstatus verlieren, wenn sie militärisch genutzt werden. Militärische Operationen müssen in diesem Fall aber verhältnismäßig sein. Bei den Verhaftungen wird das Gesetz über »Unlawful Combatants« (irreguläre Kämpfer) angewandt, das den Gefangenen grundlegende Rechte entzieht, da sie weder als Kriegsgefangene noch als Zivilisten geschützt sind. Diese Haft ist unbefristet und ohne Anklage möglich.

Verhaftungen wegen Folter im Militärgefangenenlager Sde Teiman

In einem Fall haben die Berichte über exzessive Gewalt in Gefängnissen zu einer Anklage gegen fünf israelische Reservisten geführt, denen die Misshandlung eines palästinensischen Häftlings im Militärgefangenenlager Sde Teiman vorgeworfen wird. Der Gefangene wurde schwer verletzt. Er erlitt unter anderem einen Lungenriss und gebrochene Rippen. Der Fall kam durch ein Video von Sicherheitskameras an die Öffentlichkeit, das die Misshandlungen zeigt. Die Veröffentlichung des Videos war in Israel umstritten und führte zum Rücktritt der obersten israelischen Militäranwältin. Ein Soldat wurde im Februar 2025 zu sieben Monaten Haft verurteilt.

Durch den Angriff auf das Gesundheitswesen steht in Gaza einer geschwächten Bevölkerung mit vielen Schwerverletzten und chronisch Kranken, die schon lange nicht mehr behandelt wurden, eine stark limitierte Zahl an schlecht ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen gegenüber. Nur die Hälfte der Krankenhäuser sind in Betrieb – mit großen Einschränkungen durch den Mangel an Geräten, Medikamenten, Strom und dem geschwächten Personal. Neu eingerichtete Feldhospitäler können die Notsituation nur ein wenig lindern. »Ich bin Arzt, aber ich bin hilflos und nicht in der Lage, etwas zu tun, das Menschen helfen kann«, sagt Dr. Muhanna, der nach 665 Tagen Haft freikam, angesichts der desaströsen Verhältnisse. Gleichzeitig sagt er, dass gerade diese Umstände ihn motivieren, weiterzuarbeiten.

Henrik Weinhold

Der Beitrag ist in der Ausgabe 1/2026 unserer Zeitschrift Im Lande der Bibel erschienen.

Titelfoto: Bei einem israelischen Luftangriff im März 2025 wurde die Chirurgieabteilung des Nasser Krankenhauses in Khan Younis stark beschädigt. (Anas-Mohammed/Shutterstock.com)

Quellen und Links

Berichterstattung in The Guardian über die Gefangennahme medizinischen Personals

‘No staff, no equipment, no medicine’: a doctor on returning to Gaza after 665 days in an Israeli prison
The Guardian, 12.01.2026

More than 160 Gazan medics held in Israeli prisons amid reports of torture
The Guardian, 25.02.2025

Rising number of doctors among hundreds of medical staff detained in Gaza, say rights groups
The Guardian, 26.07.2025

No rules: Gaza’s doctors say they were tortured, beaten and humiliated in Israeli detention
The Guardian, 25.02.2025

Interviews der Physicians for Human Rights mit gefangenem medizinischem Personal

Torture of Medical Staff from Gaza in Israel Report and Testimonies
Report (PDF)
Testimonies (PDF)
Physicians for Human Rights, 26.02.2025

Angriff auf Rettungswagen

Israeli troops killed 15 Palestinian medics and buried them in a mass grave, UN says
AP News, 31.03.2025

Gaza: Israel gesteht „Fehler“ bei Beschuss auf Rettungswagen
ZDFheute, 20.04.2025

Tod von Dr. Marwan Sultan

Gaza hospital director killed in Israeli strike, relative says
BBC, 03.07.2025

Gaza doctor killed: Israeli bomb hits home of Marwan Sultan, relatives say
NBC News, 03.07.2025

Folter im Gefangenenlager Sde Teiman

Wurden palästinensische Häftlinge in Israel gefoltert?
tagesschau.de, 04.11.2025

Israel: Anklage gegen Soldaten wegen Misshandlung von Gefangenen
tagesschau.de, 05.11.2025

Israel: Haftstrafe für einen IDF-Soldaten nach Gewaltvorwürfen im Militärgefängnis Sde Teiman
Jüdische Allgemeine, 07.02.2025

Israels Militärabasis Sde Teiman: „Hier dürfen wir sie so richtig verprügeln“
Der Standard, 15.03.2026

Weitere Links und Quellen

Israel’s underground jail, where Palestinians are held without charge and never see daylight
The Guardian, 08.11.2025

OCHA: Humanitarian Situation Update (349) – Gaza Strip
UN OCHA, 18.12.2025

Reported Impact Snapshot – Gaza Strip, 18 February 2026
UN OCHA, 18.02.2026

Israel-Gaza: Doctors and surgeons detained in breach of international law
The Guardian, 25.02.2025

Israel/Gaza: Palästinensische Gefangene in Isolationshaft und Folter durch „Gesetz über ungesetzliche Kombattanten“
Amnesty International, 18.07.2024

Remembering our colleagues killed in Gaza
Ärzte ohne Grenzen (MSF), 05.03.2026

Two years of attacks on hospitals in Gaza
Ärzte ohne Grenzen (MSF), 05.03.2026 (Video)

Ehemalige Hamas-Geiseln erzählen von ihrem Überleben

Eli Sharabi und Aviva Siegel berichten über ihre Gefangenschaft als Geiseln. (Roded Shlomo/Pikiwiki Israel/CC BY 2.5 (l.), Maryland GovPics/ CC BY 2.0 (r.))

26.03.2026 | Einige der aus Gaza freigekommenen Geiseln sind mit Berichten und Interviews über die Zeit ihrer Gefangenschaft an die Öffentlichkeit getreten. Sie erzählen von Hunger, Enge, Isolation, Misshandlungen und auch von Folter sowie sexueller Gewalt. 

Eli Sharabi hat bisher als einziger ein Buch über seine Geiselhaft geschrieben. Er beschreibt in „491 Tage“ seine Verschleppung während des Hamas-Terrors am 7. Oktober 2023 und die Gefangenschaft – zunächst in einem Haus, dann im Tunnelsystem, wo Atemluft, Wasser und Essen knapp waren und die hygienischen Bedingungen menschenunwürdig. Die Bewacher wurden zunehmend nervös und aggressiv. Als er freikam, war er bis auf die Knochen abgemagert. Sharabi schreibt sehr sachlich über die Umstände seiner Gefangenschaft und die Überlebensstrategien in einer kleinen Gruppe mit Mitgefangenen.

Mia Schem, wurde beim Nova Festival als Geisel genommen und kam mit einer Schussverletzung nach Gaza. Sie erschien in einem Hamas-Propagandavideo, in dem sie unter Zwang positiv über die Bedingungen ihrer Gefangenschaft sprach. Nach ihrer Freilassung berichtet sie in einem längeren Interview mit einem israelischen Fernsehsender über Hunger, Erniedrigungen und die vollkommen unzureichende Behandlung ihrer schweren Verletzung.

Guy Gilboa‑Dalal spricht regelmäßig in Reden oder Interviews über seine Gefangenschaft in Gaza, die erst im Oktober 2025 endetet. Er sieht das als eine Art Therapie an, wie er sagt. Er schildert lange Monate in engen Tunneln voller Dunkelheit und Gestank sowie permanenten Hunger. So wie Amit Soussana, die der New York Times ein Interview gab, spricht er offen über sexuelle Gewalt durch die Bewacher.

Danielle Aloni, die mit ihrer kleinen Tochter Emilia festgehalten wurde, beschreibt einen Alltag in dem sie ständig versuchen musste, ihrem Kind inmitten von Dunkelheit Stabilität vorzuleben und ihre eigene Angst zu unterdrücken. Einige Wochen nach ihrer Freilassung führte sie mit einem israelischen Fernsehsender ein längeres Interview, auch die ARD berichtete über ich Schicksal.

Aviva Siegel war nach ihrer Freilassung sehr in der Öffentlichkeit präsent und setzte sich für die Freilassung ihrer damals noch in Geiselhaft verbliebenen Mitgefangenen ein, etwa in der Knesset. In Gaza musste sie in knapp zwei Monaten 13-mal den Ort wechseln. Sie hat in der Geiselhaft besonders darunter gelitten, mit anschauen zu müssen, wie ihr Ehemann Keith und mitgefangene Mädchen misshandelt wurden. Sie gab dem ZDF ein ausführliches Interview.

Henrik Weinhold

Der Beitrag ist in der Ausgabe 1/2026 unserer Zeitschrift Im Lande der Bibel erschienen.

Foto: Eli Sharabi und Aviva Siegel berichten über ihre Gefangenschaft als Geiseln. (Roded Shlomo/Pikiwiki Israel/CC BY 2.5 (l.), Maryland GovPics/ CC BY 2.0 (r.))

Quellen und Links

„Eli Sharabi: ‚491 Tage‘ – Vom Überleben“
https://www.deutschlandfunkkultur.de/buchkritik-eli-sharabi-491-tage-israel-gaza-krieg-geisel-100.html
Deutschlandfunk Kultur, 28.11.2025

Freed Israeli hostage Mia Schem in first interview since her release from Hamas captivity in Gaza
https://www.youtube.com/watch?v=y02xPRX6vCE
Video von חדשות 13 auf YouTube, o. D. (englische Untertitel)

Ehemalige Hamas-Geisel Gilboa-Dalal berichtet über seine Erlebnisse
https://www.tagesschau.de/video/video-1540906.html
tagesschau.de, 02.01.2026

„Ich werde diesen Leuten nie vergeben können“ (Guy Gilboa‑Dalal)
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/hamas-geisel-112.html
tagesschau.de, 02.01.2026

Israeli woman who was held hostage by Hamas speaks out on her abduction and sexual assault in Gaza“ (Amit Soussana)
https://edition.cnn.com/2024/03/26/middleeast/amit-soussana-israeli-hostage-hamas-sexual-assault-intl
CNN, 26. März 2024

„Amit Soussana: ›Du hast mir das Leben gerettet‹“
https://www.juedische-allgemeine.de/israel/amit-soussana-du-hast-mir-das-leben-gerettet
Jüdische Allgemeine, 29.01.2025

In captivity in Gaza with a 6 year old girl (Danielle Aloni)
https://www.youtube.com/watch?v=xttfPD0Nkpc
Video von חדשות 13 auf YouTube, o. D. (englische Untertitel)

Geisel im Gazastreifen: Überlebende blickt zurück (Danielle Aloni)
https://www.youtube.com/watch?v=xSHRudu1XVY
Video von tagesschau auf YouTube, o. D.

„Lieber erschossen werden als zu ersticken“ (Danielle Aloni)
https://www.juedische-allgemeine.de/israel/lieber-erschossen-werden-als-zu-ersticken
Jüdische Allgemeine, 08.01.2024

Ex-Hamas-Geisel spricht über ihre Gefangenschaft | auslandsjournal (Aviva Siegel)
https://www.youtube.com/watch?v=Ba8tDNNsUvk
Video von ZDFheute auf YouTube, 08.10.2024

„Überlebende Aviva Siegel – ›Sie müssen uns Hoffnung geben‹“
https://www.spiegel.de/ausland/hamas-geisel-aviva-siegel-sie-muessen-uns-hoffnung-geben-a-abcb951a-185b-4276-8591-fcbd30d95a24
Der Spiegel, 06.12.2024

Wunden und Narben
https://www.juedische-allgemeine.de/israel/wunden-und-narben
Jüdische Allgemeine, 02.11.2025

Hamas-Geiseln berichten von Folter und Kartenspielen
https://www.n-tv.de/politik/Hamas-Geiseln-berichten-von-Folter-und-Kartenspielen-article26096658.html
n-tv, 14.10.2025

Olliver Zobel wird neuer Propst in Jerusalem

Jerusalem: Christian Quarter mit Erlöserkirche, Foto: JekLi/Shutterstock.com

23.03.2026 | Dekan Olliver Zobel aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wird neuer evangelischer Propst in Jerusalem. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat die Berufung, die das Kuratorium der Evangelischen Jerusalem-Stiftung (EJSt) ausgesprochen hatte, auf seiner jüngsten Sitzung bestätigt. Der 57-jährige Theologe folgt auf Propst Joachim Lenz, der das Propstamt von 2020 an innehatte und Ende Juli 2026 in die Evangelische Kirche im Rheinland zurückkehren wird.

Der in Kassel geborene Zobel war von 2002 bis 2019 Pfarrer in Bingen am Rhein, seit 2019 ist er Dekan des evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim. Sein beruflicher Werdegang hat ihn wiederholt nach Jerusalem und ins Heilige Land geführt, als Student, als Vikar an der Evangelischen Erlöserkirche und in der Leitung und Verwaltung der in Latrun bei Jerusalem ansässigen Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Sein Propstamt wird er am 1. Dezember 2026 antreten.

Die Vorsitzende des Kuratoriums der Evangelischen Jerusalemstiftung, Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden, hob die aktuell besonders herausgehobene Bedeutung des Propstenamtes in Jerusalem hervor: „Es steht für die verlässliche Präsenz unserer Kirche, für Dialogbereitschaft zwischen Religionen und Kulturen und für das unermüdliche Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit“, so die Kuratoriumsvorsitzende. „Mit der Berufung von Dekan Olliver Zobel zum Evangelischen Propst für Jerusalem hat das Kuratorium der Evangelischen Jerusalemstiftung eine Persönlichkeit gewonnen, die geistliche Tiefe, Leitungserfahrung und internationale Sensibilität in besonderer Weise verbindet“

Auch der Auslandsbischof der EKD, Frank Kopania, unterstrich die mit der Aufgabe verbundene Verantwortung: „In einer Zeit großer Spannungen und Unsicherheiten im Nahen Osten braucht es geistliche Präsenz, seelsorgliche Klarheit und den langen Atem des Dialogs. Ich bin dankbar, dass mit Olliver Zobel ein leitungserfahrener, theologisch profilierter und international versierter Geistlicher diese wichtige Aufgabe übernimmt.“

Christiane Tietz, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), sagt zu der Berufung: „Mit Olliver Zobel übernimmt ein theologisch profilierter und zugleich seelsorglich erfahrener Pfarrer aus Hessen-Nassau ein herausgehobenes Amt. Seine Verbundenheit mit Jerusalem, seine Leitungserfahrung und seine geistliche Klarheit machen ihn zu einer überzeugenden Besetzung. Ich bedauere, dass er das Dekaneamt verlässt. Aber ich freue mich sehr, dass ein Pfarrer aus der EKHN diese wichtige Brückenfunktion zwischen Kirchen, Kulturen und Religionen übernehmen wird. Ich wünsche ihm für seine Aufgabe im Heiligen Land in einer herausfordernden Zeit gutes Gelingen und Gottes Segen.“

Zobel ist sich „angesichts der aktuellen Ereignisse bewusst, dass ein Großteil meiner Arbeit Fähigkeiten erfordert, die ich als Notfallseelsorger gelernt habe: einfach da sein und Not in all ihren Formen aushalten, ohne den Funken der Hoffnung zu verlieren.“ Er freue sich aber „auch auf die Begegnungsmöglichkeiten in der Ökumene, im monotheistischen Dialog, mit den Menschen im Land und auch den Besuchenden aus Deutschland.“

Die Aufgaben des Propstes in Jerusalem umfassen neben der pastoralen Versorgung der evangelischen Gemeinden Deutscher Sprache in Israel und Palästina auch die Leitung der Stiftungseinrichtungen der EKD in Jerusalem sowie die Repräsentanz der EKD und der Stiftungen gegenüber Kirchen und öffentlichen Einrichtungen im Heiligen Land.

Pressemitteilung der EKD

Zwischen Verzweiflung und Hoffnung: Zur Situation der palästinensischen Christinnen und Christen

Auf dem Jahresfest des Jerusalemsverein sitzen etwa 200 Menschen in einem historischen Hörsaal. Auf der Bühne stehen Bischof Haddad, der Vorsitzende Wolfgang Schmidt und Matthias Wolf.

24.02.2026 | Am 15. Februar 2026 feierte der Jerusalemsverein sein 173. Jahresfest in Berlin. Auf dem Festnachmittag im Kaiserin‑Friedrich‑Haus zeigten Stimmen aus Kirche, Schule, Friedensarbeit und Diakonie, wie Menschen im Heiligen Land trotz Bedrohung, Verlust und Unsicherheit Wege der Hoffnung gehen.

„Hoffnung wächst nicht dort, wo kein Leid ist – sondern dort, wo wir uns weigern, dem Leid das letzte Wort zu lassen“, sagte der neue Bischof der ELCJHL, Dr. Imad Haddad, auf dem Jahresfest des Jerusalemsvereins. Die Erfahrung von Leid verbindet viele Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland. Die Ursachen dafür sind zahlreich und reichen von der immer weiter eingeschränkten Bewegungsfreiheit über wirtschaftliche Unsicherheit und Armut bis hin zu massiven Gewalterfahrungen. Zum palästinensischen Alltag gehören Entwürdigungen, Schikanen, Enteignungen, Hausdurchsuchungen und Inhaftierungen. All das droht die Menschen zu zermürben.

Migration ist für palästinensische Christen Normalität

Mit Blick auf die Christinnen und Christen, die eine kleine Minderheit im Heiligen Land sind, betonte Marc Frings in seinem einführenden Vortrag: „Die größte Herausforderung … ist heute die Frage, ob sie überhaupt noch eine Zukunft in ihrer Heimat haben.“ Viele sehen das nicht und migrieren ins Ausland – einer Bewegung folgend, die schon seit über 100 Jahren anhält. Frings spricht von einem „migrantischen Normal“. Er zeichnet die historischen Flucht‑ und Migrationsbewegungen nach: die erste während des Osmanischen Reichs, die zweite im Kontext des Palästinakriegs (1947–49) und der Nakba, die dritte unter der haschemitisch‑jordanischen Herrschaft im Westjordanland, die vierte nach dem Sechstagekrieg und dem Beginn der israelischen Besatzung und die fünfte seit dem Ausbruch der Zweiten Intifada (2000) und der Lähmung des Oslo‑Friedensprozesses.

Marc Frings steht links an einem Pult und hält seinen Vortrag. Links steht auf einer großen Leinwand das Thema der Veranstaltung.
Marc Frings ist Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und ehemaliger Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah

Die christliche Bevölkerung sei von einst rund elf Prozent auf etwa ein Prozent zurückgegangen. Der kleinen christlichen Minderheit in Palästina steht eine große christlich‑palästinensische Diaspora gegenüber, die Anziehungskraft auf die Verbliebenen ausübt. In einer Studie gibt jeder zweite junge Christ an, über Auswanderung nachzudenken. Zunehmende Hasskriminalität gegen Christinnen und Christen – etwa Siedlergewalt in Taybeh sowie Birzeit – und niedrigschwellige Belästigungen, die insbesondere in Jerusalem inzwischen alltäglich sind, verschärfen den Auswanderungsdruck. Gleichzeitig verweist Frings auf einen Faktor, der die starke Verwurzelung der Christinnen und Christen in Palästina zeigt und ein (kleiner) Hoffnungsaspekt ist: die überproportionale Rolle christlicher Einrichtungen mit mehr als 70 Schulen und rund 300 sozialen Organisationen, die etwa 9.000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten.

Der Pianist Albrecht Gündel-vom Hofe sitzt mit einem roten Pullover bekleidet am Keyboard.
Der Pianist Albrecht Gündel-vom Hofe sorgte mit seiner meditativen Musik für eine entspannte Atmosphäre.
Der Vorsitzende des Jerusalemsvereins, Wolfgang Schmidt, begrüßte Bischof Haddad mit einem Reise-Bischofsring als Geschenk.
Der Vorsitzende des Jerusalemsvereins, Wolfgang Schmidt, begrüßte Bischof Haddad mit einem Reise-Bischofsring als Geschenk.

Talitha Kumi: eine Schule als Hoffnungsort

Aus einer dieser Schulen – Talitha Kumi in Beit Jala – nahmen der deutsche Schulleiter Birger Reese und die palästinensische Schulleiterin Laura Bishara über eine Videokonferenz an dem Jahresfest teil. Reese, der seine Schule als „Hoffnungsort“ sieht, berichtete, dass die erfolgreiche Inspektion als Exzellente Deutsche Auslandsschule erneut den hohen Qualitätsstandard von Talitha Kumi bestätigt hat. Wichtig sei ihm auch die Friedenserziehung und die politische Bildung; jüngst diskutierten auf zwei Veranstaltungen die ARD‑Korrespondentin Sophie von der Tann und Christian Meier von der FAZ mit den Schülerinnen und Schülern. „Wir führen offene Gespräche und transportieren damit unsere Vorstellungen von Toleranz, Dialog und Multiperspektivität“, sagte Reese.

Laura Bishara und Birger Reese berichteten über Video aus Beit Jala, wie Talitha Kumi Hoffnung schenkt.
Laura Bishara und Birger Reese berichteten über Video aus Beit Jala, wie Talitha Kumi Hoffnung schenkt. Der Vorsitzende des Jerusalemsvereins, Wolfgang Schmidt (rechts), moderierte die Veranstaltung.

Laura Bishara betonte eindrücklich, wie sehr Talitha Kumi dazu beiträgt, die christliche Identität zu stärken, beispielsweise durch die regelmäßigen Andachten. „Talitha ist ein Ort, an dem Christen spüren, dass sie nicht in der Minderheit sind, sondern Einfluss haben und meinungsbildend sein können“, sagte sie. Eine Schülerin berichtete in einem kurzen Testimonial von dem freundschaftlichen Miteinander von christlichen und muslimischen Schülerinnen und Schülern.

Die Diakonie der ELCJHL lässt Menschen in dunklen Zeiten nicht alleine

Rana Zeidan, die Leiterin der Diakonie der ELCJHL, kommt per Video zu Wort. Im Gespräch mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Jerusalemsvereins, Sybille Möller‑Fiedler, stellte sie ihre Arbeit vor, die sie mitten in den Alltag palästinensischer Familien führt: Menschen ohne stabiles Einkommen, Menschen, deren Wohnungen unbeheizt bleiben, deren Medikamente unerschwinglich sind. „Für uns bedeutet Diakonie, Menschen in ihren schwersten Momenten zu begleiten – nicht nur zu helfen, sondern ihre Würde zu schützen.“ Deshalb versorgt die ELCJHL‑Diakonie einmal in der Woche 95 Menschen mit einer gesunden, warmen Mahlzeit, trägt die Kosten für medizinische Hilfe, übernimmt Stromrechnungen und bietet auch psychosoziale Unterstützung sowie Seelsorge an.

Die diakonische Arbeit der ELCJHL - Interview mit Rana Zeidan

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Bei einem neuen Projekt „Kochen bringt Heilung“ kommen Menschen in einer angenehmen Atmosphäre zusammen und tauschen sich beim Kochen über ihre Erfahrungen aus. Zeidan betont, dass diese Arbeit fest im Glauben wurzelt. Sie sagt: „Hoffnung entsteht, wenn wir Menschen in ihrer Dunkelheit nicht allein lassen. Deshalb machen wir weiter – auch wenn alles um uns unsicher ist.“

Die christliche Familie Nassar kämpft mit gewaltlosem Widerstand für ihr Land

Mit Unsicherheit kennt sich die Familie Nassar nur allzu gut aus. Ihre Geschichte, die Daoud Nassar auf dem Jahresfest erzählt, zeigt eindrücklich, welchen Schikanen Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland ausgesetzt sind, wie groß der Vertreibungsdruck ist. Die Nassars betreiben auf einem Hügel südlich von Bethlehem seit mehr als 100 Jahren Landwirtschaft und haben ein bekanntes Friedensprojekt ins Leben gerufen, das Tent of Nations. Aber Siedler wollen auf dem letzten palästinensischen Hügel in der Region eine neue Siedlung gründen. Deshalb versucht die Familie seit mehr als 35 Jahren, ihren Landbesitz von den israelischen Behörden anerkennen zu lassen, damit es nicht zur Enteignung und Vertreibung kommt. Einem ersten Anlauf vor einem Militärgericht in den frühen 1990er‑Jahren folgten unzählige Gerichtsverfahren. Ständig werden neue Dokumente, Karten und Vermessungen verlangt. Es fallen Urteile zu ihren Gunsten, die dann aber nicht umgesetzt werden. Es folgen immer neue juristische Hürden und Verzögerungen. Parallel dazu kommt es zu Angriffen durch Siedler, Bäume werden zerstört, Straßenblockaden errichtet. Die Siedlung Neve Daniel rückt Stück für Stück näher an ihr Grundstück heran. „Die Siedler haben grünes Licht, alles zu machen, was sie wollen“, sagt Nassar.

Daoud Nassar steht an einem Pult und hält einen Vortrag. Auf einer großen Leinwand ist ein Foto mit einem dekorativ bemalten Stein. "Wir weigern uns Feinde zu sein", steht auf dem Stein.
Daoud Nassar spricht auf dem Jahresfest. „Wir weigern uns Feinde zu sein“, ist das Motto seiner Familie.

Doch die Familie resigniert nicht und kämpft mit gewaltlosem Widerstand für ihr Recht. „Wir weigern uns, Opfer zu sein“, ist ihr Motto, „Wir weigern uns, Feinde zu sein“, ein anderes. Sie meistern bürokratische Schikanen durch Kreativität: Strom kommt aus selbst installierten Solaranlagen, Wasser aus Zisternen, Gebäude entstehen unterirdisch. Jedes Jahr werden Hunderte Bäume gepflanzt. „Für uns ist es sehr wichtig, mit Glaube, Hoffnung und Liebe und in kleinen Schritten voranzukommen. Das ist der Weg für uns. Es ist ein schwieriger Weg, aber die einzige Möglichkeit für uns und die einzige Hoffnung. Wir sind Menschen, die nie ihre Hoffnung aufgeben“, sagt Nassar.

Der in den Ruhestand gegangene Bischof Sani Ibrahim Azar singt auf dem Jahresfest des Jerusalemsvereins auf der Bühne, zusammen mit vier jungen Erwachsenen und einem jungen Mann am Keyboard. Azar trägt ein großes goldenes Kreuz.
Sani Ibrahim Azar wurde beim Jahresfest als amtierender Bischof der ELCJHL verabschiedet. Zum Abschluss des Abends sang er – unterstützt von weiteren Stimmen – christlich-arabische Lieder.

Bischof Haddad: Gott begegnet uns in der Schwachheit

Zum Abschluss spricht der neue Bischof der ELCJHL, Dr. Imad Haddad, eindringlich und poetisch über die Quellen seiner Hoffnung. Hoffnung sei für ihn keine Stimmung, sondern eine bewusste Entscheidung – oft gegen alle Erfahrungen. Sie sei „Auferstehung im Alltag“, ein Leben, das sich dem Tod verweigert. Gott begegne uns nicht in der Macht, sondern in der Schwachheit; nicht im Triumph, sondern im Kreuz. Hoffnung bedeute, aufzuwachen im Wissen, dass der Tag Demütigung oder Verlust bringen kann – und dennoch zu wählen, voll zu leben.

Bischof Haddad steht an einem Stehtisch und hält ein Mikrophon in der Hand. Daneben steht Matthias Wolf.
Bischof Haddad sprach bei dem Jahresfest über Hoffnung, Matthias Wolf aus dem Vorstand übersetzte.

Mit Bonhoeffer erinnert Haddad daran, dass Gott uns selbst in dunklen Zeiten nicht zur Resignation ruft, sondern zu verantwortlichem Handeln. „Solange Menschen aufwachen und das Leben wählen – solange Bäume gepflanzt werden, Kinder unterrichtet werden und zwischen den Ruinen Lieder erklingen – wird die Hoffnung nicht sterben.“

Dokumente und Links

Bischof Dr. Imad Haddad: Warum ich Hoffnung habe (PDF)

Bishop Dr. Imad Haddad: Why Do I Have Hope? (PDF)

Der Alltag palästinensischer Christen: Checkpoints, Siedlergewalt, Auswanderung
Deutschlandfunk, 18. Februar 2026